Geheimnisse, Spannung und Emotionen

Neun junge Köpfe mit viel Fantasie bei Jugendliteraturlesung in Kalbe

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Ihre Ideen und Gedanken brachten neun Nachwuchs-Autoren aus der Altmark zu Papier. In Kalbe lasen sie Fantasy, Lovestorys, Philosophisches und Slam Poetry.

Kalbe – Er sei „sehr nervös“, meinte Jordi ter Burg, als er sich an die Leselampe setzte. Der 16-jährige Kalbenser las am Donnerstag im Café Friedenseck zum ersten Mal vor Publikum eine selbst geschriebene Geschichte.

Neben ihm stellten acht weitere Jugendliche ihre Texte bei der Jugendliteraturlesung vor.

Der Künstlerstadtverein bietet innerhalb des Projektes „Literaturlabor“, das vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde, regelmäßig kostenlose, weil finanziell geförderte, Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche an, die von professionellen Autoren geleitet werden. Der Zuspruch wird immer besser, viele kommen nicht nur einmal, um sich kreativ auszuleben und wertvolle Tipps für die eigene Schreibe zu bekommen.

Das Publikum aus Eltern, Freunden und interessierten Zuhörern lauschte den jungen Literaten aufmerksam.

Und das machte sich bei der Jugendliteraturlesung, bei der Jugendliche und junge Erwachsene aus Gardelegen, Miesterhorst, Kalbe, Brunau und Klein-Schwechten mitmachten, bemerkbar. So zeigte Kim-Sharon Werry, die als erste vorlas, gute Fortschritte zu ihren ersten Texten aus dem Vorjahr. Detailliert beschrieb sie ihre Hauptfigur und dessen Gegner – „unheimliche Wesen mit geästeten Hörnern, die von innen rot zu glühen schienen“.

Matti Albrecht stellte den Beginn einer tragischen an einer Schule spielenden Lovestory vor, um die beiden Hauptfiguren „Silent und Shine“, deren Namen auch der Titel der Geschichte ist. Einen Titel hatte Anna-Celine Waclawczyk für ihren Text noch nicht. In diesem Sommer hat sie mit dem Schreiben begonnen, „aus purer Langeweile. Aber dann wurde es immer mehr“, so Anna-Celine. Ihre Freundin Kim-Sharon motivierte sie zusätzlich, dranzubleiben und mit zur Schreibwerkstatt zu gehen. Anna-Celines Geschichte begann mit der Begegnung der Schwestern Anna und Jasmin mit einem geheimnisvollen Mann, der sie dazu überredet, sich in ein Abenteuer in Südkorea zu stürzen.

Eine ganz andere Form der Literatur bot Paula Heidenreich dar. Sie hat die Slam Poetry für sich entdeckt: „Ich kann mich darin am besten ausdrücken“, so die 15-Jährige. Fünf Gedichte stellte sie vor: „Jung sein“ über die vielen Definitionen eben dessen, „Was kannst du?“ über scheinbar endlose Möglichkeiten, alles machen zu können und gesellschaftlichen Druck, über „Akzeptanz“ zu sich und anderen, auch wenn „irgendjemand ganz viel gesagt, sich selbst aber ganz wenig hinterfragt“ hat, über „Veränderung“, wenn man sonst „jeden Tag nach dem gleichen Muster, gemacht vom gleichen Schuster“ lebt, und die „Umwelt“: „Vielleicht retten wir nicht die Welt, aber jeder Baum war mal nur ein Bäumlein, und jeder Traum nur geträumt“.

Emotional war der Text von Anna-Lena Bastian. Sie schrieb über die tiefe Verbindung von zwei ausgedachten Figuren. Im weiteren Teil der Geschichte will sie dann auch die Perspektiven wechseln und jeweils aus der Sicht der einen und der anderen Figur schreiben.

In Jordi ter Burgs erstem Kapitel einer Fantasygeschichte über 14-jährige Wesen, die „Semblence“, mit besonderen Fähigkeiten, wurden Einflüsse verschiedener Genres und Literatur deutlich, zum Beispiel Manga und der „Panem“-Reihe.

Ebenso packend war die Fantasygeschichte von Laura Daverhuth, die zum zweiten Mal bei der Jugendliteraturlesung mitmachte. Das Publikum wurde nach „Pentahood“ mitgenommen, an einem Sonntag, an dem der Nebel eigenartigerweise nach Bitterschokolade roch, wie die Hauptfigur Sinta feststellte, als sie mitten in der Nacht erwachte.

Ein „alter Hase“ der Jugendliteraturlesung ist Thea Grothe. Und wie schon zuvor, fesselte die 22-jährige Studentin ihre Zuhörer mit zwei Kurzgeschichten und dem Einstieg in eine Fantasy-Story. Theas Spezialität sind detailreiche Beschreibungen und ein gewisser Hang zu morbider Literatur, was bei ihrer „experimentellen Kurzgeschichte“, wie sie sie beschrieb, deutlich wurde. Denn sie schrieb aus der Perspektive einer Leiche, die gerade gefunden wird.

Auch Tino Fellenberg hat schon bei der Jugendliteraturlesung vorgelesen und war erneut mit Ausschnitten aus seinem Buch „Das jardonische Werk“, mit dem er sich „als Selbsttherapie“ aus einer Depression holte, dabei. Und nicht nur für ihn, auch für die anderen ist das Schreiben etwas ganz Besonderes: „Man kann seine Gefühle rauslassen“, so Kim, „und irgendwie zu sich selbst finden“, stimmte Laura zu. „Leute zum Nachdenken bringen, auch mit dem, was zwischen den Zeilen steht“, fügte Paula hinzu. Und „einfach mal dem Alltag entfliehen“, nickte Thea.

VON HANNA KOERDT

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