ICE-Havarie gestern früh: Passagiere nahmen Zwangs-Stopp bei Solpke gelassen / Fahrt nach Köln

Nach einer Stunde: Bitte umsteigen

48 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Gardelegen, Mieste und Solpke wurden am gestrigen frühen Morgen an die Havariestelle gerufen.
+
48 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Gardelegen, Mieste und Solpke wurden am gestrigen frühen Morgen an die Havariestelle gerufen.

Solpke. „Ich fahre seit 50 Jahren mit der Bahn – aber so etwas habe ich auch noch nicht erlebt.“ Der ältere Mann lächelt, als er die Treppe heruntersteigt. Gestern früh um kurz nach 7 Uhr beginnt die Evakuierung von etwa 120 Fahrgästen eines ICE, der frühmorgens um 4.22 Uhr am Berliner Hauptbahnhof losgefahren war und sich auf dem Weg nach Köln befand.

Auf freier Strecke, in Höhe des Bahnhofs Solpke, blieb der Zug stehen – nach ersten Erkenntnissen wegen erhöhter Temperatur im Triebkopf der Lok. Weil zunächst ein Brand befürchtet wurde, rückten drei Feuerwehren (Gardelegen, Mieste und Solpke) mit 48 Einsatzkräften aus, ebenso Polizei, Bahn und Rettungssanitäter.

Vor Ort stellte sich die Lage aber schnell als entspannt heraus: Niemand war verletzt. Die etwa 200 Fahrgäste des nur halb besetzten ICE mussten anschließend mehr als eine Stunde warten, ehe entschieden wurde: Der Zug fährt weiter, der defekte Teil wird zur Reparatur und Durchsicht ins Depot gebracht. Deshalb mussten etwa 120 Fahrgäste ihre Waggons verlassen, mittels einer im Zug befindlichen Nottreppe. Aus Sicherheitsgründen musste rückwärts hinabgestiegen werden. Und: Die meisten Reisenden hatten nur leichtes Handgepäck dabei. Zu Fuß ging es dann auf dem Gleisbett bis zum vorderen Zugbereich weiter, wo erneut über eine Treppe eingestiegen werden konnte. Währenddessen war die ICE-Strecke gesperrt. Die Einsatzkräfte halfen beim Aus- und Einstieg – und mussten auch Fremdsprachenkenntnisse anwenden. Denn manche Fahrgäste waren – wie so oft in einem ICE – Ausländer. Die Kurzzeit-Gestrandeten nahmen ihr Schicksal größtenteils mit Humor, auf jeden Fall gelassen, machten teilweise Handyfotos von der Aktion.

Von Stefan Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare