Austauschschülerin Indigo Brighton-Knight aus Australien verbringt Weihnachten in Letzlingen

Nach der Bescherung ab ins Meer

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Die 15-jährige Indigo Brighton-Knight (2. von rechts) kommt aus dem australischen Melbourne und bleibt zwei Monate in Letzlingen. Über das Weihnachtsfest mit Familie Hinke (Gerd Hinke, Tochter Hanna und Conny Hinke) freut sie sich sehr.

Letzlingen. Weihnachten bei 35 Grad am Strand feiern und dabei mit der ganzen Familie ausgelassen im Meer baden – für viele Deutsche wohl eher ein ungewöhnlicher Anblick an den weihnachtlichen Feiertagen.

Für die 15-jährige Indigo Brighton-Knight, genannt Indi, ist das aber normal. „Wir feiern in Australien Weihnachten meistens bei 35 Grad. Nach der Bescherung am Ersten Weihnachtstag und dem gemeinsamen Essen geht die ganze Familie an den Strand. Wir schwimmen und machen Sport“, erzählt sie ausgelassen. Dieses Jahr steht der jungen Austauschschülerin aus Melbourne ein ganz besonderes Weihnachtsfest bevor. Denn sie verbringt es nicht wie sonst mit ihrer Familie in Australien, sondern fern der Heimat in der Altmark. Genauer gesagt bei Familie Hinke in Letzlingen.

Anfangs kein Wort Deutsch verstanden

Mittlerweile lernt Indi seit zwei Jahren Deutsch. Davor lernte sie Französisch, aber „das ging mir nicht in den Kopf“. Mit der Sprachreise will sie ihr Deutsch verbessern und mehr über die deutsche Kultur erfahren. „Ich will neue Leute kennenlernen, neue Erfahrungen sammeln, unabhängiger werden und meine Deutschkenntnisse erweitern.“ Dafür lernt sie fleißig jeden Tag Vokabeln und versucht, mehr Deutsch zu sprechen, auch wenn sie immer wieder im Alltag auf ihre Muttersprache zurückgreift. Zwei Monate wird sie in Letzlingen bleiben, bis zum 19. Januar 2017.

Derweil besucht sie die neunte Klasse des Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Von ihren Mitschülern wurde sie herzlich in die Klasse aufgenommen. Anfangs verstand sie kein Wort Deutsch, gesteht die junge Australierin. Mittlerweile hat sie sich in den Schulalltag integriert und in kürzester Zeit erste Freundschaften geknüpft.

Indi ist nicht die erste Austauschschülerin, die Pfarrer Gerd Hinke und seine Frau Conny in ihrem Haus aufnehmen. „Wir haben vier Kinder. Nachdem die drei Großen ausgezogen sind, ist unsere jüngste Tochter Hanna alleine geblieben. Wir haben viel Platz im Haus, also dachten wir, wir nehmen Austauschschüler auf, solange Hanna noch zur Schule geht, damit sie nicht so einsam ist. Damit geben wir den jungen Leuten die Chance, die deutsche Sprache sowie Land und Leute kennenzulernen“, sagt Conny Hinke.

Ihr erster Austauschschüler vor zwei Jahren hieß Eirik Skejvik und kam aus Norwegen. Damals blieb er ein ganzes Jahr und besuchte, genau wie Indi, das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Gardelegen. Der Kontakt zu Eirik ist bis heute geblieben. „Eigentlich wollten Hanna und Indi Eirik in Norwegen über Silvester besuchen, doch die Pläne haben sich kurzfristig geändert“, erklärt Gerd Hinke. Jetzt werden die Mädchen neue Pläne für Silvester schmieden müssen. Verbringen sie doch ihre Freizeit gerne gemeinsam und waren bereits in Hamburg, Magdeburg und Braunschweig unterwegs.

Und Indi ist währenddessen ein festes Familienmitglied geworden. So darf sie auch nicht beim 80. Geburtstag vom Oma Hinke in Celle fehlen. „Dort lernt sie dann die große Familie kennen“, betont Gerd Hinke. Die 15-Jährige hat an der Altmark Gefallen gefunden. „Die Landschaft ist wundervoll, die Architektur ist toll, wie in einem Film, nur echt. Und die großen Bäume und das viele Laub. Es fühlt sich nach Weihnachten an“, schwärmt sie. Und auf Weihnachten freut sie sich sehr, ganz besonders auf weiße Weihnachten. Hatte sie als Kleinkind doch das einzige Weihnachten mit Schnee in Kanada erlebt.

Obwohl das Christfest in Australien ähnlich gefeiert wird wie hierzulande, gibt es wesentliche Unterschiede. So gibt es beispielsweise in Australien keine Weihnachtsmärkte. Außerdem sei es in „Down Under“ nicht üblich, eine echte Tanne aufzustellen, sondern eine künstliche. „Deshalb hatte Indi viel Spaß auf dem Kenzendorfer Weihnachtsmarkt. Sie fand es ganz toll, einen richtigen Baum aus dem Wald zu holen und den selber zu schlagen“, berichtet Conny Hinke. Besser gesagt: Gerd Hinke schlug den Baum und sie filmte ihn, fasziniert und belustigt zugleich.

Die Art, wie Weihnachten in Deutschland gefeiert wird, gefällt der jungen Australierin. Und auch von ihrem ersten Nikolaustag – in Australien wird Nikolaus nicht gefeiert – berichtet sie begeistert: „Ich hatte meinen großen Stiefel aufgestellt. Und am nächsten Tag fand ich darin Kinderschokolade, Lollis, verschiedene andere Süßigkeiten und ein Duschgel.“

Die Tatsache, dass sie zum ersten Mal Heiligabend nicht im Kreise ihrer Familie verbringen wird, sieht Indi gelassen. Viel zu groß ist die Freude und die Neugierde über die vielen neuen Eindrücke, die sie hier sammelt. Und wer weiß, vielleicht wird ihr Wunsch von einem richtig winterlichen und weißen Weihnachtsfest doch noch in Erfüllung gehen.

Von Marilena Berlan

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