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Gardelegens Gewerbeverein beschließt eigenes Aus

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Von: Stefan Schmidt

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Drei Personen  am Tisch
Der Vorstand des Gardelegener Gewerbevereins macht nicht mehr weiter. © Stefan Schmidt

Einstimmig haben die Mitglieder des Gardelegener Gewerbevereins die Auflösung beschlossen.

Gardelegen – Seit Dienstagabend, 18.43 Uhr, ist es offiziell: Der Gardelegener Gewerbeverein soll sich auflösen. Das haben zumindest die anwesenden Mitglieder während einer eigens einberufenen Versammlung im Handwerkersaal des Gardelegener Schützenhauses entschieden. Und zwar einstimmig.

Für Claudia Steffens, die als Vorstandsmitglied die Versammlung eröffnete, war es „ein komisches Gefühl“, als sie in die Runde fragte, wer denn für das Ende des im Jahre 1991 gegründeten Gardelegener Gewerbevereins sei. Es gingen alle Hände hoch. Auch jene von Mitgliedern, die sonst eher selten bei Gewerbevereins-Versammlungen anwesend waren. Aber um den Gewerbeverein aufzulösen, war es laut eigener Satzung Voraussetzung, dass drei Viertel der Mitglieder vor Ort sind und für das Ende votieren – was nun geschehen ist. Die eigentliche Arbeit mit Notar-Terminen und Ähnlichem steht aber erst noch bevor. „Das könnte noch drei Jahre dauern“, schätzt Claudia Steffens.

Als Liquidatoren des Gewerbevereins wurden ebenfalls am Dienstagabend die bisherigen Vorstandsmitglieder Ulf Ulrich und Christiane Weiß-Carle ernannt. Sie sind es, die nötige Unterschriften leisten müssen, um den Verein aus dem Vereinsregister streichen zu lassen.

Hintergrund der Vereinsauflösung: Der jetzige Vorstand um den mittlerweile 85-jährigen Vorsitzenden Peter Jaenicke tritt nicht mehr an, andere Bewerber für die Vorstandsriege gibt es nicht und gab es auch am Dienstagabend trotz nochmaliger ausdrücklicher Nachfrage nicht. „Ich will nicht im Amt sterben“, erklärte Jaenicke, der bei der Gründungsversammlung des Gardelegener Gewerbevereins im Jahre 1991 zuerst als stellvertretender Vorsitzender gewählt wurde, aber am nächsten Morgen den Vorsitz übernahm. Denn der eigentlich damals gewählte Chef Ulrich Grau machte aufgrund seiner vielfältigen kommunalpolitischen Tätigkeiten als Stadtverordneter und Kreistags-Mitglied – damals noch im Altkreis Gardelegen – einen Rückzieher. Jaenicke übernahm – und ist bis heute Vorsitzender des Gewerbevereins. Er erhielt von seinem Stellvertreter Ulf Ulrich ebenso ein Geschenk wie von der Leiterin der Stabstelle Stadtmarketing im Gardelegener Rathaus, Gabriela Winkelmann. Sie richtete ein paar Worte an die Runde und gab ihrer Hoffnung, dass man auch weiterhin mit den Innenstadt-Händlern – auch ohne eigene Interessenvertretung – zusammenarbeiten möge, Ausdruck. Die vergangenen Jahre hätten „Höhen und Tiefen“ bei den Einzelhändlern gebracht, blickte Gabriela Winkelmann zurück. Stadtverwaltung und Innenstadt-Händler hatten in den vergangenen drei Jahrzehnten mitunter höchst unterschiedliche Auffassungen, beispielsweise bei der Frage, ob es eine Fußgängerzone geben soll oder nicht – diese Fußgängerzone bezeichnete Peter Jaenicke am Dienstagabend ironisch als „unseren Prachtboulevard“.

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