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Motocross-Fahrer stören Waldtiere und beschädigen die Natur rund um Berge

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Von: Ina Tschakyrow

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Vier Männer und zwei Hunde im Wald
Jäger Tino Preiß mit Hera (von links), Jäger Rüdiger Kass, Revierförster Detlev Riesner mit Selma und Ordnungsamtsleiter Florian Kauer informierten über die Gefahren, wenn Motocross-Fahrer illegal im Wald fahren. © Ina Tschakyrow

Immer mehr Motocross-Fahrer befahren illegal die Waldwege. Dabei werden Waldtiere gestört und die Natur beschädigt. Außerdem ist das auch für die Motocross-Fahrer gefährlich.

Berge – Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, das Rauschen des Windes ist in den Bäumen zu hören. Im Wald ist es ruhig. Aber immer häufiger sind die lauten Geräusche von Motocross-Fahrern zu hören, die auf den Waldwegen unterwegs sind und teilweise auch „querfeldein“ fahren, erzählt Jäger Rüdiger Kass. Das ist verboten. Darauf weisen auch entsprechende Schilder hin.

Trotzdem sind Motocross- und auch Quadfahrer in den Wäldern unterwegs. Jäger aus dem Bereich der Hellberge äußerten bei der kürzlich stattgefundenen Mitgliederversammlung der Hegegemeinschaft Gardelegen Nordwest, dass es mit den „Motocross-Fahrern in den Hellbergen zunimmt“. Die Motocross-Maschinen sind lauter. Dazu kommt eine höhere Geschwindigkeit, teilweise sind die Motocross-Fahrer auch in Gruppen unterwegs.

Sie stören die Waldtiere, sagt Revierförster Detlev Riesner. In den Hellbergen gibt es seltene Tierarten wie Wiedehopf, Ziegenmelker, Rotmilan, Schwarzspecht, Schlingnatter, aber auch Rotwild, Schwarzwild, Hasen, Eichhörnchen und Siebenschläfer werden gestört. Gelege von Vögeln, die am Boden nisten, werden zerstört. Vögel werden aufgescheucht und verbrauchen dabei Energie, die sie für die Aufzucht des Nachwuchses und auch jetzt schon für den Winter benötigen, erklärt Detlev Riesner.

Auch die Natur wird beschädigt. Es werden im Wald junge Bäume an- oder umgefahren. „Die nächste Waldgeneration wird zerstört“, sagt Detlev Riesner. Waldwege, die von den Waldbesitzern „ordentlich gemacht werden“, sagt Rüdiger Kass, werden so wieder zerfahren.

Die Gefahr eines Waldbrandes wird wegen des heißen Auspuffs oder Funkenflug erhöht. So gab es vor einigen Jahren, erinnert sich Detlev Riesner, einen vier Hektar großen Waldbrand bei Solpke. Abends gegen 20 Uhr hatte ein Jäger die Geräusche eines Motocross-Fahrers gehört und kurze Zeit später Rauch gesehen. Es brannten da bereits ein paar tausend Quadratmeter, erzählt der Revierförster weiter.

Ordnungsamtsleiter Florian Kauer sagt, dass im vergangenen Jahr 20 Ordnungswidrigkeiten geahndet wurden. Das illegale Befahren des Waldes kann bis zu 50 000 Euro Strafe kosten.

Aber meistens werden die Motocross-Fahrer im Wald nicht gefasst. Die Maschinen haben kein Nummernschild, die Fahrer tragen Helme und halten auch nicht an, wenn sie von Jägern oder Förstern darum gebeten werden, wenn diese sie beim illegalen Befahren des Waldes erwischen. „Man weiß nicht, wer das ist“, sagt Rüdiger Kass, „aber es gibt Leute wie die Familien, die wissen, wer fährt“. Diese könnten das illegale Befahren verhindern.

Das Befahren des Waldes kann für die Fahrer sehr gefährlich werden. In den Hellbergen sind die Wege glatt, die Motocross-Fahrer „können richtig Gas geben“, sagt Rüdiger Kass. Vor einigen Jahren gab es einen tödlichen Unfall bei Solpke mit einem Motocross-Fahrer, der im Wald unterwegs war. Die Wege sind nicht befestigt, je nach Witterung ist der Sand lose oder matschig, ergänzt Detlev Riesner.

Stattdessen können Motocross-Fahrer auf den Strecken in Letzlingen, Peckfitz, Altmersleben oder auch Apenburg unterwegs sein, sagt Jäger Tino Preiß.

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