Marianne Schulz öffnete ihr Geschäft 1991 als Wagnis

Miester „Mode-Treff“ schließt nach 30 Jahren

Marianne Schulz hat 30 Jahre lang den „Mode-Treff“ in Mieste betrieben.
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Marianne Schulz hat 30 Jahre lang den „Mode-Treff“ in Mieste betrieben.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Eine Kundin betritt den Miester „Mode-Treff“, Inhaberin Marianne Schulz ist gerade im Gespräch, kennt ihre Kundin aber gut: „Edith, zieh dich gerne um, du kennst dich hier aus“, lacht die 75-Jährige, die ihr Geschäft zum 30. Juni nach 30 Jahren schließt.

Mieste – „Am 1. März 1991 habe ich angefangen, dieses Jahr waren es im März 30 Jahre“, sagt Marianne Schulz. Mit „Zittern und Zagen“ habe sie das Geschäft eröffnet, „weil es etwas völlig Neues war“. Sie hat vorher etwas ganz Anderes gemacht, erzählt sie. Die Miesterin ist studierte Diplom-Ökonomin für Finanzen. Sie war Betriebsleiterin für eine Gewächshausanlage, die in Gardelegen entstehen sollte. Nach der innerpolitischen Wende in Deutschland ging diese Anlage in Konkurs und Marianne Schulz eröffnete ihren „Mode-Treff“.

Sie habe sich dazu entschieden, erzählt die 75-Jährige, weil es für große Größen „nur komische Sachen gab“ und nichts Buntes, „wir sollen Braun und Schwarz tragen“. Dort, wo sich heute das Modegeschäft befindet, war vorher nur ein Schuppen. Mit ihrer Familie baute sie daraus den „Mode-Treff“. „Meine Familie hat mir immer Rückhalt gegeben“, sagt die 75-Jährige.

Kleidung finden im „Mode-Treff“ Menschen zwischen 30 und 90 Jahre – „So habe ich es immer gesagt“, lacht die Miesterin. Die Kleidung „ist für nicht ganz so junge Menschen und für nicht ganz so schlanke Menschen“. Danach habe sie bei Messen immer die Kleidung eingekauft. Ihre Kunden haben sich bei ihr gut beraten gefühlt: „Ich habe immer gesagt, was ihnen steht und was nicht, denn nicht jeder kann alles tragen“. Über die Jahre wurde das Geschäft erweitert, „der Bedarf war da“. So gab es auch eine Änderungsschneiderei, damit die Kleidung gut sitzt, denn „wo passt schon jede Naht?“, erzählt Marianne Schulz. 1998 kam die Post mit der Postbank und sämtlichen Dienstleistungen hinzu.

Bis vor zwei Jahren hat Marianne Schulz noch Modenschauen veranstaltet. 70 waren es insgesamt. Es gab immer eine Frühjahrs- und eine Herbstmodenschau. Manchmal auch zu besonderen Anlässen, wie dem 70. Geburtstag von Marianne Schulz. Die Modenschauen fanden in Mieste auf ihrem Grundstück, kreisweit in anderen Ortschaften und auch darüber hinaus, zum Beispiel in Bad Bevensen, statt. Mitgemacht haben 50 Models und Helfer, die für Kaffee und Kuchen, das An- und Ausziehen der Models und andere Aufgaben zuständig waren. Bei den Modenschauen sollten die Kunden sehen, was sie alles tragen können. Die Modenschauen „waren immer viel Aufwand, aber auch sehr schön“. Bis zu 100 Menschen saßen im Publikum, sie kamen nicht nur aus der Einheitsgemeinde, sondern auch aus Stendal oder Haldensleben.

Das Geschäft zu betreiben „hat mir immer wahnsinnig viel Spaß gemacht“. Unterstützung gab es von den Teilzeitkräften Brigitte Schmidt und Margrit Langer, die viele Jahre bei Marianne Schulz arbeiteten. Aber langsam sei es körperlich für die 75-Jährige nicht mehr möglich. Deswegen hat sie sich entschieden, das Geschäft zu schließen. Es gibt keinen Nachfolger „und ich würde es auch niemandem zumuten, in dieser Zeit ein Einzelhandelsgeschäft zu betreiben“. Dies sei wegen des großen Angebots der Modeketten und des Online-Shoppings sehr schwierig, sagt die Miesterin.

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