Altmarkkreis: „Unverzüglich aus dem Verkehr ziehen“ / Verein: „Flüchtlinge selbst haben gestaltet“

„Miteinander“ sitzt auf 6000 Flyern

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Willkommen im „Lager“ – die umstrittenen „Miteinander“-Flyer für Asylsuchende und Geflüchtete sollen aus dem Verkehr gezogen werden.

Salzwedel / Gardelegen. Der Flyer, der vom Verein „Miteinander“ erarbeitet worden ist, um Asylsuchenden und Geflüchteten in Salzwedel und Gardelegen die ersten Schritte zu erleichtern, erhitzt die Gemüter (wir berichteten).

Ein in Schwarz gehaltenes Gebäude mit einem großen Schornstein ziert das Papier, in dem immer wieder von „Lager“ geredet wird.

„Miteinander“-Regionalleiter Mirko Wolff und sein Geschäftsführer Pascal Begrich versuchten sich gestern in Erklärungsversuchen. „Der Flyer ist ein Produkt von Menschen, die Zielgruppe des Flyers sind“, sprach Wolff von der Mitarbeit von Flüchtlingen an dem Werk, das Ende Dezember noch schnell ins Deutsche übersetzt wurde. Wobei sich wohl Fehler eingeschlichen hätten, so auch Begrich. Die Fehler sind vor allem ähnlich wie der Verweis auf den Gardelegener Bahnhof, der sich laut Flyer an der Bahnhofstraße 29 befinden soll. Fahrkarten gibt es dort nicht, denn unter dieser Adresse ist das Amtsgericht zu finden.

Den Flyer gibt es in sechs Sprachen und zwölf Versionen. „Miteinander“ sitzt nun auf 6000 Exemplaren eines „Nebenprodukts eines Sensibilisierungsprojekts“. Doch gerade damit wurde eben nicht sensibel umgegangen. Immer wieder taucht der Satz auf: „Fragen Sie den Berater im Lager.“ Und gerade darum geht es dem Altmarkkreis, wie die Dezernenten Eckhard Gnodtke und Hans Thiele deutlich machen.

Fast eine Million Euro hat der Kreistag in die Unterkünfte in Gardelegen und Salzwedel gesteckt, damit die Flüchtlingen dort eben nicht wie in einem Lager leben müssen. Für Familien sind und werden sogar Wohnungen angemietet. Doch allein die Aufmachung des Flyers und das wiederkehrende Wort „Lager“ assoziieren so einiges. „Ich habe Mühe, das Wort ,abschreckend’ nicht zu verwenden“, formuliert Dezernent Gnodtke.

Mirko Wolff: „Es sollte nie eine deutsche Version geben – diese ist eher kontraproduktiv.“ Die Flüchtlinge hätten das Foto gewollt und das englische Wort „Camp“, das sie verstünden, sei mit „Lager“ übersetzt worden. Nun, nachdem die Flyer fertig sind, habe man gelernt, so Wolff und Begrich. Und: Das Werk sei nicht als Willkommensbroschüre für den Kreis erarbeitet worden.

Dort sieht man das Ganze pragmatischer und vor allem weitaus sensibler. „Ich gebe Ihnen die Gelegenheit, in Absprache mit unserer Integrationskoordinatorin den Entwurf eines nachgebesserten Flyers kurzfristig vorzulegen. Des Weiteren gebe ich Ihnen die Gelegenheit, alle bis jetzt von Ihnen verwendeten Flyer unverzüglich aus dem Verkehr zu ziehen“, hat Dezernent Gnodtke „Miteinander“ wissen lassen. Der Verein will aber laut Wolff und Begrich keine neuen Flyer herstellen – oder nur dann, wenn es frisches Geld dafür gibt.

Von Holger Benecke

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