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Gardelegens katholischer Pfarrer über ehemaligen Papst Benedikt XVI.: „Er war eher ein Bewahrer“

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Von: Stefan Schmid

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Pfarrer vor Kirche
Andreas Lorenz ist der katholische Pfarrer in Gardelegen © Stefan Schmidt

Der Tod des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. hat auch die Katholiken in der Altmark betroffen gemacht.

Gardelegen – Am Silvestertag ist der emeritierte, also im Jahr 2013 zurückgetretene Papst Benedikt XVI. gestorben. Der gebürtige Bayer wurde 95 Jahre alt. Was sagt Andreas Lorenz, der katholische Pfarrer aus Gardelegen, der für die gesamte westliche Altmark zuständig ist, zum Tod des Theologen, der im Jahr 2005 als Nachfolger des kurz zuvor verstorbenen Papstes Johannes Paul II. als erster Deutscher nach fast 500 Jahren zum katholischen Kirchenoberhaupt ernannt wurde? Und wie gehen die Katholiken in der westlichen Altmark mit seinem Ableben um?

„Ich habe das in den Jahresschlussandachten und in den Gottesdiensten seit seinem Tod natürlich erwähnt“, sagt Lorenz. Man habe aus Anlass seines Todes auch gebetet. Aber angesichts des fortgeschrittenen Alters von Benedikt sei sein Tod nicht wirklich überraschend gekommen. „Da mag die Trauer in Bayern, wo er aufgewachsen ist, größer sein“, mutmaßt Andreas Lorenz.

Und das Vermächtnis von Joseph Ratzinger, der in Markt am Inn im Jahre 1927 zur Welt gekommen war? „Er wollte, so glaube ich, nie wirklich Papst werden“, sagt Andreas Lorenz. Benedikt sei eher ein klassischer Theologe und Gelehrter gewesen – anders als sein Vorgänger Johannes Paul II., der viel reiste und ohne den der Zusammenbruch des Kommunismus so wohl nie stattgefunden hätte. Benedikt „war eher ein Bewahrer“, so der Gardelegener Pfarrer. In seine Papst-Zeit fielen auch zahlreiche aufgedeckte Missbrauchsskandale, „für die er dann die Dresche abgekriegt hat“, so Andreas Lorenz.

Was Lorenz bewundert, ist die Tatsache, dass Benedikt im Jahr 2013, nach acht Jahren als Papst, zurückgetreten war. „Diese Entscheidung nötigt mir Respekt ab“, sagt er rückblickend. Sie sei aber auch typisch für einen rational denkenden Katholiken wie Benedikt gewesen, meint Lorenz. „Er hat offenbar gemerkt, dass er diesem Amt körperlich nicht mehr gewachsen ist und hat daraus seine Konsequenzen gezogen.“

Hat Andreas Lorenz den nun Verstorbenen mal getroffen? Er überlegt lange. „In seiner Funktion als Papst nicht“, sagt er. Aber: Im Jahr 1987 gab es in Dresden, also noch zu DDR-Zeiten, einen Katholikentag. Der heute 61-jährige Andreas Lorenz studierte damals in Erfurt und war dabei – ebenso wie Joseph Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., der einen Vortrag hielt, den sich der angehende Pfarrer anhörte.

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