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Ein Abend in der Metal-Welt

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Von: Ina Tschakyrow

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Die Band Varg spielt beim Metal Frenzy Open Air in Gardelegen
Die Band Varg spielt beim Metal Frenzy Open Air. © Ina Tschakyrow

Seit vier Tagen findet das Metal Frenzy Open Air in Gardelegen statt. Wie findet jemand das Festival, der kein Metal hört? Und warum ist es bei Fans so beliebt? Eine AZ-Redakteurin war vor Ort und hat nachgefragt.

Gardelegen – „Und wie gefällt es dir bisher?“, fragt mich Sven Koch. Ich bin auf dem Metal Frenzy Open Air in Gardelegen. Metal höre ich sonst nicht, sondern Rock, sage ich dem Festival-Besucher. „Also wäre das ‘Rock am Ring’-Festival eher was für dich?“. Ja. Trotzdem wollte ich gern zum Metal Frenzy gehen. Und die Musik gefällt mir. Der Gesang nicht, aber wie die Instrumente gespielt werden sehr. Live hört sich das richtig gut an, denke ich mir am Donnerstag.

Sven Koch ist mit Dana Walter, die beide aus der Nähe von Bonn kommen, und seit 2017 zum Metal Frenzy fahren, seit Mittwoch da. „Wir haben das grüne Bändchen“, also für alle vier Tage. Ihnen gefällt, dass es ein kleineres Festival ist. Und es sei auch egal, wer spielt, es gehe darum „hier zu sein, die Musik zu hören“, erzählen die Beiden.

Ich höre gleich die Band Herais, die Melodic Deathmetal spielen. Die ersten Fans stehen an der Absperrung an der Bühne und es geht los. Die Fans gehen ab zur Musik, der Metalgruß wird mit Armen gemacht, die etliche Festivalbändchen tragen. Es wird geheadbangt, also der Kopf im Kreis bewegt, die langen schwarzen Haare der Sängerin Britta Görtz fliegen umher. Die Festivalbesucher machen mit. Nach etwa einer Stunde beenden Hiraes ihren Auftritt und die Bühne wird für Varg, eine Band, die Pagan- und Vikingmetal spielt, vorbereitet.

Währendessen sehe ich mich auf dem Gelände um. Es gibt Getränke aus Hörnern, scharfes Essen. Ein Mann ist als Pirat verkleidet, auf seiner Schulter ist ein aufblasbarer roter Papagei. Neben ihm steht ein Mann, der auf seinem Kopf ein buntes Einhorn trägt. Eine Frau macht Seifenblasen, die der Wind in meine Richtung fliegen lässt. Ein Getränk steckt in einem kleinen aufblasbaren Schwimmring, der ein Einhorn darstellt und von den Besuchern herumgereicht wird. Getränke werden hin- und hergetragen. Zwischendurch auch technische Ausrüstung für die Bands.

Ich sehe Guido und Micha neben mir und frage sie, wie ihnen das Metal Frenzy gefällt. Hier sei es „gemütlich und familiär“, sagen die Beiden. Guido kommt aus Halle, Micha aus Leipzig. Beide waren schon mehrere Male beim Metal Frenzy, besuchen auch das Full Force Festival in Ferropolis. Auf der Wiese gegenüber vom Erlebnisbad Zienau wird gecampt. Es sei gut, nicht eine Stunde vom Campingplatz bis zur Bühne laufen zu müssen, um zu sehen, ob die Band, die spielt, gefällt oder nicht, sagt Micha, Guido stimmt ihm nickend zu. Beide bleiben bis Sonntag und wünschen mir viel Spaß.

Den haben auch die Festivalbesucher um mich herum, es wird voller vor dem Bühnenbereich. Der Bühnenaufbau ist fertig, die Bandmitglieder von Varg sind zu sehen. Immer mehr Menschen kommen, sie prosten sich ihr Bier zu, unterhalten sich, freuen sich, die Stimmung wird immer besser, die Sonne geht langsam unter und lässt die Nebelschwaden von der Bühne golden aussehen.

Und dann beginnt Varg. Die Bandmitglieder tragen dunkle Farben am Körper, die an Blut erinnern, um die Augen ist ein schwarzer Streifen gemalt. Die Band wird auch als „Wölfe“ bezeichnet. Der Sänger von Varg, Philipp Seiler, begrüßt die Fans. Nach ein paar Liedern tritt eine Frau auf. Fylgja überrascht mich mit ihrem Gesang – ganz anders als das, was ich zuvor hörte. Das ist kein Geschrei. Das habe ich bei einem Metal Festival nicht erwartet. Danach singt Fylgja gemeinsam mit Philipp Seiler. Ich höre noch ein paar Lieder und bleibe länger, als ich geplant hatte.

„Es ist schon richtig toll hier“, schreibe ich einer Freundin und: „Vielleicht komme ich nochmal wieder“.

Am Sonnabend ist der letzte Tag des Festivals. Es spielen noch Surgical Strike, Contradicition, Godslave, Squealer, Biskit Park, Finsterfrost, Grailknights, Crematory, Megaherz und Korpiklaani – Trash-, Power-, Folk- und Superherometal. Das hört sich auch interessant an, denke ich mir, als ich vom Festivalgelände gehe. Vorbei an den Campingzelten, wo die Festivalbesucher eine gute Zeit haben werden.

Und dann höre ich tatsächlich ein Lied, das rockig war. Auch wenn ich nicht weiß, wer da gerade gespielt hat.

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