Fünfmal stehende Ovationen beim Eröffnungskonzert der Altmark Festspiele in der Gardelegener Marienkirche

Meisterwerke meisterlich gemeistert

Die Georgierin Madina Karbeli bezauberte am Sonntagabend mit ihrer Sopranstimme. Fotos (4): Schmidt
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Die Georgierin Madina Karbeli bezauberte am Sonntagabend mit ihrer Sopranstimme.
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Gardelegen. Als Cataldo Caputo dieses Lied anstimmte, war der Bann endgültig gebrochen.

Cataldo Caputo sang bereits in der Mailänder Scala und der Arena von Verona.

„Nessun Dorma“ aus der Oper „Turandot“ und aus der Feder von Giacomo Puccini, ein herzzerreißendes Lied über Liebeskummer und Herzschmerz und dass die Welt doch angesichts der Pein des unglücklichen Liebhabers jetzt nicht wirklich an Nachtruhe denken möge („Niemand schlafe“), ist eines der wohl schönsten und zugleich melodischsten Lieder der Weltgeschichte. Und eine gesangliche Herausforderung an jeden Tenor. 

 Der gebürtige Süditaliener Cataldo Caputo, der auch schon an der Mailänder Scala und in der Arena von Verona das Publikum begeisterte, meisterte dieses Meisterwerk meisterlich. Und so erhoben sich die 250 Musikliebhaber am Sonntagabend in der Gardelegener Marienkirche nach dieser Arie zum ersten, aber nicht zum letzten Mal von ihren Plätzen. Fünf stehende Ovationen gab es zum Ende des zweistündigen Konzerts – manch einen erinnerte das fast schon an eine Parteiversammlung von früher. Nur dass das Publikum wohl herzlicher und obendrein mit mehr Sachverstand applaudierte. Und bei „Nessun Dorma“, so schien es, bekamen sogar die Damen und Herren in den historischen Porträts an den Wänden des Gotteshauses eine Gänsehaut.

Festspiel-Intendant Reinhard Seehafer (rechts) begrüßte etwa 250 Musikliebhaber in der Gardelegener Marienkirche.

Das Konzert unter dem Motto „Rebellion und Reformation in der italienischen Oper“ war zugleich die Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen Altmark Festspiele. An 22 verschiedenen Orten in der gesamten Altmark, von Hohengrieben bis Birkholz, gibt es bis Dezember Konzerte. Darunter sind bekannte Gesichter wie die Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer (Sonnabend, 17. Juni, 17 Uhr Kunsthaus Salzwedel, Agatha-Christie-Lesung mit Jazz) und die Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai (Sonnabend, 22. Juli, 20 Uhr Buchsbaumgarten Kalbe).

Am Sonntagabend brillierte neben Caputo auch seine georgische Kollegin Madina Karbeli. Die Sopranistin brachte mit ihrer glockenklaren Stimme fast die Sektgläser, die im hinteren Bereich der Marienkirche für die Pausenversorgung aufgebaut waren, zum Bersten.

Günther Sanin (von links), Reinhard Seehafer und Luigi Puxeddu bildeten das virtuose Instrumentaltrio.

Einfach göttlich ihr Duett „Libiano ne´lieti galici“ mit Cataldo Caputo aus der Verdi-Oper „La Traviata“. Da summten und schunkelten viele der Zuhörer mit und erhoben sich nach dem Schlussakkord fast zwangsläufig erneut von ihren Plätzen. Zuvor hatte Caputo den ersten Teil des Konzertes mit dem Verdi-Klassiker „La donna e mobile“ aus der Oper „Rigoletto“ beendet – ein Lied, das manch einer weniger aus einem Opernhaus kennt, sondern aus der Schoko-Crossies-Fernsehwerbung („Oh wie verführerisch...“)

Abgerundet wurde das Konzerterlebnis von drei Instrumentalisten: Günther Sanin an der Violine, Luigi Puxeddu am Violoncello sowie Festpiel-Intendant Reinhard Seehafer am Klavier waren perfekt aufeinander abgestimmt und ernteten ebenso wie die beiden Gesangssolisten tosenden Applaus.

Zum Schluss bedankte sich Cataldo Caputo bei den Zuhörern mit einem dreifachen „Dankeschön, Dankeschön, Dankeschön.“ Man mochte ihm gleichsam zurückrufen: „Grazie, Grazie, Grazie.“

Von Stefan Schmidt

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