Betreten von Schnöggersburg: Verfahren gegen Malte Fröhlich vertagt / „Braune Traditionspflege in der Bundeswehr“

„Mein Menschsein ist nicht verhandelbar“

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Die im Bau befindliche Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg mitten in der Colbitz-Letzlinger Heide hat bereits ein eigenes symbolisches Ortsschild.

Gardelegen. „Malte, Du musst gleich etwas lauter sprechen, damit wir das auch hören. “ Die Unterstützer des Angeklagten machten sich angesichts der schlechten Akustik im Verhandlungssaal 106 des Gardelegener Amtsgerichts Sorgen, nicht alles mitzubekommen.

Also sprach Malte Fröhlich etwas lauter. Der zweifache Familienvater aus dem Landkreis Stendal war am Dienstag angeklagt, unerlaubt die Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg betreten zu haben. Wie auch sein Gleichgesinnter Gerd Büntzly, der kurz zuvor zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Malte Fröhlich, so gab er gegenüber Richter Axel Bormann an, habe eine schriftliche Erklärung vorbereitet, deren Verlesung rund zwei Stunden in Anspruch nehmen würde. Das fand selbst er zu lang. Also habe er „gekürzt und nochmal gekürzt“ – heraus kam ein etwa 20-minütiger Monolog über seine Beweggründe für den „Friedensweg nach Schnöggersburg“, wie er das Betreten der Übungsstadt nach dem Überwinden des Baustellenzauns bezeichnete.

Der Bau der Bundeswehr-Übungsstadt, so führte er aus, sei „eine anhaltende Verkettung von Rechtsbrüchen“. Seiner Meinung nach würden sich „Kriegsministerium und Bundeswehr über das Gesetz“ stellen. Betrachte man die Auslandseinsätze der Bundeswehr, für die in Schnöggersburg geübt werden soll, dann stellte Malte Fröhlich fest: „Die Bundeswehr kämpft in Ländern, die selbst für Wehrmachtssoldaten unerreichbar waren.“ Der Angeklagte, Mitglied der Bürgerinitiative „Offene Heide“, prangerte die „braune Traditionspflege in der Bundeswehr“ an. Er hätte gerne andere Personen und Institutionen auf der Anklagebank sitzen sehen. Zum Beispiel Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, in dessen Amtszeit die ersten Auslandseinsätze fielen und den Malte Fröhlich einen „geständigen Haupttäter“ nennt. Doch die Stendaler Staatsanwaltschaft betreibe in Zusammenhang mit dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide sowie dem Bau von Schnöggersburg „Strafvereitelung im Amt“, so Malte Fröhlich. Er forderte die Staatsanwältin, die die Anklage gegen ihn zuvor vorgelesen hatte, auf, „zu handeln, wenn das Völkerrecht gebrochen wird“.

Malte Fröhlich beantragte für sich Freispruch. Sollte er aber verurteilt werden, dann hätte er gerne „die Höchststrafe“ – der zuvor angeklagte Gerd Büntzly soll laut Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, 150 Euro Strafe zahlen. Für Malte Fröhlich ist aber unabhängig vom Ausgang des Verfahrens klar, dass er seine Einstellung und seine Taten nicht ändern werde: „Mein Menschsein ist nicht verhandelbar.“

Richter Axel Bormann vertagte die Verhandlung auf die nächste Woche. Dann stehen zwei weitere Antimilitaristen vor dem Kadi des Amtsgerichts in Gardelegen. Auch sie hatten während des „War starts here“-Camps im August 2017 die Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg betreten.

Von Stefan Schmidt

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