Grundsteinlegung für das neue Besucher- und Dokumentationszentrum auf der Gedenkstätte

Meilenstein für Erinnerungskultur

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Auch Gedenkstättenleiter Andreas Froese (l.) warf nach der Versenkung eine Kelle Beton auf die Zeitkapsel wie vorher schon Mandy Zepig (v.r.), Dr. Kay Langer, Minister Rainer Robra und Bruno Vennes. 

Gardelegen. In der Geschichte des historisch belastenden Ortes gab es bisher verständlicherweise keine Anlässe für freudige Ereignisse vor Ort, so der Direktor der Gedenkstätten-Stiftung, Dr. Kay Langer, gestern auf der Gedenkstätte Isenschnibbe.

Doch der gestrige Tag mit der Grundsteinlegung für das Besucher- und Dokumentationszentrum war eine Ausnahme.

Die weiteren Gäste der Grundsteinlegung beobachteten das Versenken der Zeitkapsel vom Rand der Baugrube.

Er nannte ihn „einen Meilenstein“ für die Entwicklung des Gedenk- und Lernortes. Und dazu konnte Langer zahlreiche Gäste von der Stadt Gardelegen – darunter auch viele Bürger – und vom Altmarkkreis Salzwedel, vom Land Sachsen-Anhalt sowie von verschiedenen Institutionen und Vereinen, Polizei, Bundeswehr und Kirchen begrüßen. Kurz schaute er auf den bisher zurückgelegten Weg zurück, der nun in den Neubau mündet, der künftig Ausstellungsräume und Platz für Bildung und Begegnung bietet sowie Arbeitsplatz für drei hauptamtliche Mitarbeiter ist. Das Zentrum werde das moderne Element demokratischer Erinnerungskultur in der nun schon Jahrzehnte bestehenden Gedenkstätte. Den hohen Stellenwert der Erinnerungskultur hob auch Landes-Staats- und Kulturminister Rainer Robra hervor, der all jenen dankte, die sich für sie vor Ort im Haupt- und Ehrenamt einbringen und engagieren. Denn das Erinnerungsgebot bleibe. Nur Wissen und wissen wollen beugen dem Vergessen vor und sensibilisieren für Demokratie, Freiheit, Humanität und Rechtsstaatlichkeit.

Die Gardelegener Parforcehorn-Gruppe Mildetal sorgte für die musikalische Umrahmung der Feierstunde.

Ein neues Gefühl, nämlich das der Hoffnung, hatte Bürgermeisterin Mandy Zepig gestern auf der Gedenkstätte, die bei ihr ansonsten, wie sie sagte, Angst und absolutes Unverständnis erzeuge. Sie sieht das neue Zentrum als wichtigen Beitrag dafür, dass es nie wieder so weit kommt, dass Menschen, nur weil sie einer anderen Bevölkerungsgruppe, einer Minderheit oder einer anderen Religion angehören, ermordet werden. Und es zeige den Menschen vor Ort die Verbindung von großer Geschichte mit dem eigenen Zuhause. Dass das wichtig ist, machte auch Gedenkstättenleiter Andreas Froese deutlich, der aber auch die weltweite Ausstrahlung der Ereignisse vom 13. April 1945, als 1016 Häftlinge in der Feldscheune verbrannt und ermordet wurden, thematisierte. Und an diese nun auch mit Original-Quellen zu erinnern und für die nachfolgenden Generationen aufzuarbeiten, werde künftig einfacher. Das neue Zentrum sehe er als lebendiges Haus und Motor für die künftige Erinnerungs- und Bildungsarbeit.

Nach dem Versenken der Zeitkapsel waren alle noch zu Gesprächen bei Kaffee und Kuchen, die die AG Stolpersteine anbot, eingeladen.

Von Elke Weisbach

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