Mehr Lohn für Mitarbeitende bei Boryszew Kunststofftechnik in Gardelegen gefordert

Protestkundgebung: 20 Prozent mehr Gehalt

Am Montag nahmen Boryszew-Mitarbeiter an einer Protestkundgebung teil.
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Am Montag nahmen Boryszew-Mitarbeiter an einer Protestkundgebung teil.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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„Weil ich es wert bin“ stand auf den Plakaten, die Mitarbeitende der Boryszew Kunststofftechnik GmbH Deutschland in Gardelegen am Montag bei einer Protestkundgebung wegen der gescheiterten Tarifverhandlungen hielten.

Gardelegen – „Wir fordern die Geschäftsleitung auf, mit einem besseren Angebot auf uns zuzukommen“, sagte Jan Melzer, Gewerkschaftssekretär Bezirk Halle-Magdeburg der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Seit 2015 gibt es Tarifverhandlungen, informierte Jan Melzer. Derzeit verdienen die Mitarbeitenden pro Stunde 10,10 Euro. Bei der letzten Tarifrunde wurden 40 Cent mehr pro Stunde angeboten, aber „wir wollen mindestens 20 Prozent mehr“ und damit einen „deutlichen Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn“. Derzeit gebe es einen Haustarifvertrag, „wir wollen einen Flächentarifvertrag“, erklärte der Gewerkschaftssekretär weiter, der von den Mitarbeitenden mit Trommeln, Pfeifen und Ratschen angefeuert wurde.

Wir stehen hier für faire Löhne.

Andreas Höppner

„Wir stehen hier für faire Löhne“, so Andreas Höppner, Landtagsabgeordneter der Linken. „Der Arbeitnehmer wird seiner wirtschaftlichen Sozialverantwortung nicht gerecht“. Es gebe „absolute Billiglöhne“, sagte Andreas Höppner weiter. Jetzt gebe es nicht viel Geld, und später als Rente dann auch nicht.

Eine Mitarbeiterin erzählte, dass eine ihrer Kolleginnen kürzlich in Rente gegangen ist. „Sie erhält 945 Euro Rente“ nach 45 Jahren in diesem Unternehmen. Die Mitarbeiterin arbeitet in Halle 39, dort wo Autoteile hergestellt werden. Die Mitarbeiter bedienen mehrere Maschinen. „Wir schaffen das, aber möchten entsprechenden Lohn dafür erhalten“. Bei einem Streik wäre sie „auf jeden Fall dabei“. Jan Melzer geht auch davon aus, dass die anderen Mitarbeiter weitere Aktionen unterstützen. Über weitere Maßnahmen werde aber erst nachgedacht, wenn sich die Geschäftsleitung bis Ostern nicht dazu geäußert habe, so Jan Melzer. Er werde noch in dieser Woche an die Geschäftsleitung mit den Forderungen schreiben.

Weitere Aktionen werden „dann aber nicht in der Freizeit, sondern in der Arbeitszeit stattfinden“, sagte der Gewerkschaftssekretär. Am Montag waren viele Mitarbeitende vor Ort, die freihatten, oder während des Schichtwechsels kurz dabei waren. Es waren auch Mitarbeitende des Unternehmens BA Glass, wo Tarifverhandlungen ebenfalls gescheitert sind, vor Ort. Insgesamt waren etwa 200 bis 250 Menschen bei der Protestkundgebung dabei. „Ich bin sehr überrascht, dass so viele Menschen da waren“, freute sich Michael Hörauf, Chef des Betriebsrates.

Die Mitarbeiter werden von der Geschäftsleitung ausgenutzt.

Jan Melzer

Seit das Unternehmen 2011 aus der Insolvenz gekauft wurde, so Jan Melzer, werden „die Mitarbeiter von der Geschäftsleitung nur noch ausgenutzt“. Es wurde zwar Geld investiert, aber nicht in die Mitarbeiter. Die 1,5 Millionen Euro, die ins Unternehmen investiert wurden, erklärte der Gewerkschaftssekretär, wären auf die Löhne gerechnet sechs Prozent mehr Gehalt, wenn das Geld für die Löhne genutzt worden wäre.

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