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Mehr als 100 Polizisten hoben Cannabis-Plantage in Gardelegen aus

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Von: Stefan Schmidt

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Amtsgericht in Gardelegen
Das Urteil im Prozess gegen zwei Männer aus Serbien wegen „Gemeinsamem Handel mit Betäubungsmitteln“ soll am Montag gesprochen werden. © Stefan Schmidt

Am dritten Verhandlungstag ging es vor allem um den 23. Februar, als die Polizei die Cannabis-Plantage aushob. Mehr als 100 Polizisten waren daran beteiligt.

Was sie denn machen würden, kämen sie aus der Haft frei. Das wollte Kirsten Döring-Jeske, Richterin am Schöffengericht Gardelegen, am Donnerstag von den beiden serbischen Angeklagten wissen, die am dritten Verhandlungstag vor dem Kadi saßen. Ihnen wird „Gemeinsamer Handel mit Betäubungsmitteln“ vorgeworfen – sie beaufsichtigten eine Indoor-Cannabisplantage an der Bahnhofstraße in Gardelegen, die am 23. Februar von mehr als 100 Polizisten beschlagnahmt wurde.

„Mit dem nächsten Fernbus zurück nach Belgrad fahren“, also in seine serbische Heimat, antwortete G. Dort eine Arbeit suchen, womöglich wieder im Ausland Geld verdienen. Dort könne man vier- bis fünfmal mehr verdienen als auf dem Balkan. Der mitangeklagte Z. würde ebenfalls schnellstmöglich in die serbische Heimat reisen. „Ich bin schon zu lange hier“, seine Mutter sei alt und krank. Und nach mehr als sechsmonatiger U-Haft „riecht man irgendwann wieder die Muttermilch“ – soll heißen: Denkt man über sein bisheriges Leben intensiv nach. „In Serbien hätte ich immer Arbeit“, auf dem Bau oder woanders, erklärte er.

Wie es mit den beiden Angeklagten weitergeht, entscheidet sich am Montag, wenn das Urteil gesprochen werden soll. Am dritten Verhandlungstag ging es diesmal vor allem um jenen 23. Februar, als die Polizei die Cannabis-Plantage aushob.

Zuvor: anonymes Schreiben bei der Polizei in Gardelegen eingetroffen

Zuvor, so berichteten zwei am Einsatz beteiligte Polizisten, die als Zeugen aussagten, habe es ein anonymes Schreiben gegeben, das bei der Polizei in Gardelegen eintraf. Beschrieben wurden zugeklebte Fenster, verdächtiges Licht, dazu regelmäßige Fahrzeugbewegungen und Leute, die Kisten rein- und raustrugen. Eine Woche vor dem Zugriff schauten dann Polizisten mal unauffällig vorbei. Ihr optischer Eindruck von außen bestätigte den Verdacht – es roch nicht nur im übertragenen Sinne nach einer Cannabis-Plantage.

Dann der Zugriff. Am Mittwoch, 23. Februar, frühmorgens um 6.02 Uhr, drangen am Ende mehr als 100 Polizisten in das zweistöckige Gebäude ein. Die beiden Angeklagten wurden aus dem Schlaf gerissen, eine Verständigung „ging nur mit Händen und Füßen“ – beide sprechen kein Deutsch, Dolmetscher übersetzen im Gerichtssaal alles. Aber, so mutmaßte ein Polizist, „sie wussten bestimmt, warum wir da waren“.

859 Pflanzen beschlagnahmt

Dann begutachtete das Gericht nicht weniger als 141 Fotos, die vor Ort gemacht wurden. Beschlagnahmt wurden 859 Pflanzen auf zwei Etagen in diversen Räumen. Ursprünglich hatte jeder der Angeklagten einen eigenen Schlafraum. Doch bald benötigten die Initiatoren der Plantage mehr Platz, so dass die beiden Männer in einem Raum schlafen mussten – der eine kümmerte sich um die Pflanzen, der andere um die Elektrik. Beide waren erst wenige Wochen vorher nach Gardelegen gebracht worden, um die Plantage am Laufen zu halten. Der Eindruck vor Gericht: Es sind eher kleine Lichter im lukrativen Cannabis-Geschäft. „Der Anbau war sehr professionell“, schätzte einer der beiden Polizisten vor Gericht ein. Die polizeiliche Durchsuchung, die rund zehn Stunden andauerte, hatte noch am selben Tag weitreichende Folgen. Denn auch an vier anderen Orten in Sachsen-Anhalt wurden Plantagen ausgehoben.

G., der nach einer eventuellen Freilassung sofort mit dem Fernbus nach Serbien zurückfahren würde, hat noch ein anderes Ziel: „Ich will Deutsch lernen.“ Denn ein Prozess vor einem deutschen Gericht ohne eigene Deutschkenntnisse sei, das hat er festgestellt, nicht angenehm.

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