Roxförder Wurstsinger ließen sich kleine Alternative für ausgefallene Tradition einfallen

Die „Medizin“ landete im Briefkasten

Da sie nicht wie sonst als Wurstsinger mit vielen Leuten durch Roxförde ziehen konnten, machten sich Michael Thiele (v.l.), Christian Hietel und Christoph Lindecke auf den Weg und schmissen „medizinische“ Grüße in Briefkästen.
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Da sie nicht wie sonst als Wurstsinger mit vielen Leuten durch Roxförde ziehen konnten, machten sich Michael Thiele (v.l.), Christian Hietel und Christoph Lindecke auf den Weg und schmissen „medizinische“ Grüße in Briefkästen.

Roxförde – „Die Roxförder freuen sich jedes Jahr darauf“, meinten am Freitagnachmittag Christoph Lindecke, Michael Thiele und Christian Hietel und sprachen vom traditionellen Wurstsingen.

Immer zum Beginn eines neuen Jahres nämlich, ziehen ein Doktor, seine Assistenten, Gendarmen, Kiepenträger, Eierfrauen und Co. durch das Dorf, verabreichen den Einwohnern ihre Medizin in Form von Pfefferminz-Pillen sowie gewisse hochprozentige Flüssigkeiten zum Rünterspülen der Medikamente, und erhalten dann im Gegenzug Eier für Eierback, Wurst und Alkohol sowie andere Spenden.

Doch diese beliebte Neujahrsveranstaltung – abends wird gemeinsam gefeiert – konnte am Wochenende nicht stattfinden, die Corona-Regeln machen es unmöglich. Nur einmal fiel die Feier der 1987 wieder aufgenommenen Tradition aus – als das Dorfgemeinschaftshaus renoviert wurde. „Und jetzt wegen Corona“, so Michael Thiele. „Wir wollten aber eine Alternative haben und nicht ganz darauf verzichten“, erklärte Christoph Lindecke, der mit den beiden anderen Männern die Organisation des Wurstsingens im vergangenen Jahr noch „unter Anleitung“, so Michael Thiele, von den älteren Männern der Wurstsinger-Truppe übernommen hat.

„Früher wurden wir schon im Kinderwagen beim Wurstsingen geschoben, dann sind wir mitgestolpert und jetzt organisieren wir es selbst“, schmunzelten die Männer. Die Dorftradition gehört für sie wie auch für viele Roxförder zum Leben dazu und diese „warten drauf“, so Christian Hietel. Auch wenn die erste eigenständige Wurstsingen-Premiere der drei Organisatoren anders verlaufen sollte, haben sie sich etwas einfallen lassen, um die Roxförder zu erfreuen. Sie kauften Schnapsfläschchen und Mini-„Pillendöschen“ und packten sie in kleine Tüten ein, die in Postkästen passen.

Zusammen mit einer Grußkarte, die sie eigens dafür angefertigt haben. Darauf zu sehen ist ein Gruppenbild der Wurstsinger mit den Hauptakteuren und vielen, die Jahr um Jahr mitlaufen und ein Neujahrsgruß, in dem die Wurstsinger den Roxfördern ein frohes und gesundes neues Jahr wünschen. Die Päckchen landeten am Freitag in allen Postkästen. Und so mancher Hausbesitzer bemerkte die Männer, fischte die abgepackte Medizin sogleich aus dem Briefkasten und öffnete die Tür, um zurückzugrüßen und sich zu bedanken. 2022 dann hoffentlich wieder mit Eiern, Wurst und Co.

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