Namensbuch am Gräberfeld bei Gardelegen erinnert an Opfer vom 13. April 1945

Manoch Gorgan ist viertes nachträglich identifiziertes Opfer des Feldscheunen-Massakers

Namensbuch am Gräberfeld in Gardelegen
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Manoch Gorgan ist der aktuell vierte nachträglich identifizierte Häftling, der am 13. April 1945 in der Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen ums Leben kam und nun im Namensbuch zusätzlich erwähnt wird.
  • Stefan Schmidt
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Manoch Gorgan ist der aktuell vierte nachträglich identifizierte Häftling, der am 13. April 1945 in der Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen ums Leben kam und nun im Namensbuch zusätzlich erwähnt wird.

Gardelegen – Am Rande des Gräberfeldes auf der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen gibt es eine Holzbank, daneben ein Namensbuch. Darin aufgelistet sind alle bisher namentlich bekannten Opfer des Feldscheunen-Massakers vom 13. April 1945, als die Nazis unmittelbar vor dem Einmarsch der amerikanischen Alliierten 1016 KZ-Häftlinge in der Feldscheune zusammentrieben und umgebracht hatten.

Neben der alphabetischen Auflistung der Getöteten – allesamt Männer, der Jüngste zählte gerade mal 16 Lenze – gibt es auch einen Zusatz. Dort werden all jene Häftlinge aufgeführt, die nach Erstellung des Namensbuches noch identifiziert worden sind.

Wie Wladyslaw Sliwinski, dessen Enkeltochter am Jahrestag des Massakers vor zwei Jahren am Gräberfeld sprach und daran erinnerte, dass ihr Großvater in Gardelegen umgebracht worden war. Dies konnte nach ausgiebigen Recherchen auch mithilfe des Gardelegener Gedenkstättenleiters Andreas Froese herausgefunden werden. Die Gewissheit, wie und wo Wladyslaw Sliwinski im Alter von nur 25 Jahren ums Leben kam, „gibt uns nun Ruhe“, erklärte die in Warschau lebende Enkeltochter am 13. April 2019 bei der Gedenkveranstaltung.

Der zweite Mann, der vor zwei Jahren als mittlerweile vierter nächträglich Identifizirter im Namensbuch-Zusatz auftauchte, ist Manoch Gorgan. Er kam kurz nach seinem 50. Geburtstag in der Feldscheune ums Leben. Gorgan war Belgier und kam in Leuven zur Welt. Nach Recherchen unter anderem von Andreas Froese wurde er als Sinto – seinerzeit sprach man von „Zigeunern“ – mit seiner Familie im damals von den Nazis besetzten Frankreich verhaftet und 1944 ins KZ Neuengamme bei Hamburg deportiert. Von dort aus wurde er ins KZ-Außenlager Hannover-Stöcken verlegt. Bei der Räumung dieses KZ im April 1945 geriet er in einen Todeszug in Richtung Osten, der auf dem Bahnhof in Mieste zum Stillstand kam, weil die Alliierten die Bahngleise in Höhe Solpke bombardiert und damit zerstört hatten – eine Weiterfahrt war nicht mehr möglich. Von Mieste aus folgte der Todesmarsch zu Fuß bis zur damaligen Remonte-Reitschule an der Bismarker Straße, wo die mehr als 1000 Häftlinge ihre letzte Nacht vom 12. auf den 13. April 1945 verbrachten. Wenige Stunden später wurde Manoch Gorgan in der Feldscheune umgebracht.

Im Frühjahr 2019 konnte seine Grablage auf dem Ehrenfriedhof der Gedenkstätte offiziell bestätigt werden. Sein Name steht seit April 2019 ebenfalls im Gedenkbuch.

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