Manfred Brandt tritt seit 20 Jahren als Otto Reutter auf

„„Eine Leidenschaft, von der ich nicht mehr loskomme“

Manfred Brandt steht neben der Reutter-Statue in Gardelegen.
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Manfred Brandt tritt als Otto Reutter auf.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Seit 20 Jahren tritt Manfred Brandt als Otto Reutter auf. Kostümiert als der bekannte Humorist aus Gardelegen hat der 65-Jährige einiges erlebt, wie zum Beispiel ein Treffen mit der Bundeskanzlerin.

Wannefeld – Als Otto Reutter trägt er immer einen schwarzen Anzug, dazu eine Melone, einen Koffer und Gehstock. Er nimmt die Mimik, Gestik und Sprache des berühmten Humoristen aus Gardelegen an. Manfred Brandt sagte vor Jahren, wenn er auftritt, ist er Otto Reutter und nicht mehr er selbst. Ihn darzustellen ist eine „Leidenschaft, von der komme ich nicht mehr los“, sagt der Wannefelder. Seit 20 Jahren tritt der 65-Jährige als Otto Reutter auf.

„Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau“

Mit den Couplets des Humoristen ist Manfred Brandt aufgewachsen, erzählt er. Das Couplet „Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau“ habe immer sein Großvater Bernhard Plaschke vorgetragen. Mit einem Taschentuch, Geschirrtuch, einer Schachtel und einer verkehrt herum angezogenen Jacke hat sich sein Großvater als der bekannte Humorist aus Gardelegen verkleidet, erinnert sich der Wannefelder, der inzwischen seit 20 Jahren selbst als Otto Reutter auftritt. Sein Großvater habe ihm mit seinen Auftritten sehr imponiert. „Bei Familienfeiern habe ich immer darauf gewartet, was mein Großvater zum Besten gibt“, erzählt Manfred Brandt. Er fing an, selbst als Otto Reutter bei Familienfeiern aufzutreten. Den ersten öffentlichen Auftritt hatte der Wannefelder am 3. März 2001, dem 70. Todestag Otto Reutters. An dem Tag waren die beiden Reutter-Interpreten Jacques Oerter aus Hessen und Ulli Bauer aus Hamburg zum Gedenken auf dem Gardelegener Friedhof, zeigt Manfred Brandt auf einen Artikel in der Altmark-Zeitung vom 5. März 2001. Dort steht „Sein ‘Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau’ war ebenso exzellent (...) vorgetragen wie die Couplets der beiden Gäste“.

„Ich kann gar nicht mehr ohne“

Neben den öffentlichen Auftritten gab es bald auch Darstellungen auf Familienfeiern. Der Reutter-Interpret Konrad Hammer kam nach Wannefeld, um dort ein Couplet vorzutragen. Manfred Brandt hatte gefragt, ob er bei der Feier auch ein Couplet vortragen könnte. Den Auftritt sah Dr. Ulrich Kleemann aus Letzlingen, der den Wannefelder fragte, ob er auch bei seiner Geburtstagsfeier auftreten kann. Er trat auf. Manfred Brandt lernte immer mehr Couplets. Um die 20 kann er, unter anderem „Ick wund’re mir über jarnischt mehr“, „Alles weg’n de Leut’“ und „Der Überzieher“ – „Hier suche ich mir immer eine Person aus dem Publikum, die ich als Kleiderhaken nehme“, erzählt er. Besonders gerne sagt er „Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau“ und „Alles weg’n de Leut’“ auf. Er kann eine bis anderthalb Stunden mit den gelernten Couplets als Otto Reutter auftreten. „Das macht mir immer Spaß“, sagt der 65-Jährige, „ich kann gar nicht mehr ohne“. Die Couplets sind zeitlos, passen immer, sagt Manfred Brandt.

Er muss textsicher sein, „aber einmal ist mir der Faden gerissen“, erinnert er sich. Im Publikum saß eine Frau mit schwarzem Rock, der an der Seite einen Schlitz hatte, „und da war mein Text dann weg“, lacht Manfred Brandt.

Nougat-Torte für Jubiläen

Der 65-Jährige ist als Otto Reutter unter anderem bei Sachsen-Anhalt-Tagen, bei der Grünen Woche in Berlin und beim Hansefest in Gardelegen – „Einen besseren Boten als Otto Reutter, der von Gardelegen erzählt, gibt es nicht“, sagt Manfred Brandt. Er ist auch bei Jubiläen als Otto Reutter dabei. Dann backt seine Mutter Dora Brandt eine Nougat-Torte. Sie bindet auch die Blumensträuße für die Auftritte und unterstützt ihn sehr. Sie ist selbst auch ein großer Fan von Otto Reutter.

Er habe viele interessante Momente als Otto Reutter erlebt. Ein besonderes Erlebnis war in Berlin in der „Möwe“, wo die Landesvertretung Sachsen-Anhalt ihren Sitz hat, als Manfred Brandt Bundeskanzlerin Angela Merkel traf. Das war 2010 aus Anlass des Sachsen-Anhalt-Tages, der ein Jahr später in Gardelegen stattfand. „Ich sollte für Frau Merkel singen“. Er hatte einen Blumenstrauß und seinen Koffer dabei. Der musste erstmal kontrolliert werden, erzählt Manfred Brandt. An Angela Merkel kam er erst nicht ran, sie war von Leuten umgeben. Er habe dann einem auf die Schulter geklopft und gesagt, „dass ich die Bundeskanzlerin begrüßen soll“. Und so konnte er ihr nicht nur ein Couplet singen, sondern der Bundeskanzlerin auch eine Karte übergeben auf der stand: „Das ist der größte Clou, Otto Reutter begrüßt heute die Bundeskanzlerin und die ganze CDU“. Er hat auch schon für den jetzigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gesungen, erzählt Manfred Brandt, „ich habe ihn erst gar nicht erkannt“ und während eines Couplets bei einem Weihnachtsmarkt „mit dem Stock auf ihn gezeigt“, erinnert sich der 65-Jährige.

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