Vor dem Amtsgericht Gardelegen: Geldstrafe nur teilweise gezahlt

Angeklagter: „Alleine komme ich nicht klar“

Gerichtsgebäude
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Das Verfahren vor dem Gardelegeneer Amtsgericht wurde eingestellt.
  • Stefan Schmidt
    VonStefan Schmidt
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Ein Mann saß erneut auf der Anklagebank, weil er die gegen ihn ausgesprochene Geldstrafe nur teilweise gezahlt hatte.

Gardelegen – Man sieht sich mitunter zweimal im Leben. Auch vor Gericht. Wie kürzlich, als Richter Axel Bormann am Gardelegener Amtsgericht gegen einen Mann verhandelte, der seine vom Gericht verhängte Geldstrafe nicht gezahlt hatte. Konkret: Von den 1000 Euro, die er nach und nach abstottern sollte, hatte er gerade mal 200 Euro bezahlt – danach kam kein Geld mehr. Und so saß der Angeklagte erneut vor dem Kadi.

„Hatte einen richtigen Absturz“

Doch die Sache gestaltete sich etwas anders als zuerst gedacht. Der Angeklagte, der verurteilt worden war, weil er in 24 nachgewiesenen Fällen Briefe, die er zustellen sollte, entweder nicht zustellte oder sogar öffnete, um den Inhalt für sich zu behalten, gestand dem Richter, dass er erst kürzlich, im Mai, „einen richtigen Absturz“ gehabt habe. Er wollte sich sogar einen Strick nehmen und sich aufhängen. Das sei aber rechtzeitig bemerkt und verhindert worden, erzählte er. „Das war auch gut so“, bemerkte Bormann. Denn man habe schließlich nur dieses eine Leben und das werfe man nicht einfach weg.

Warum es ihm denn so schlecht gegangen sei, wollte der Richter wissen. Das Eingeständnis des Angeklagten: „Wenn ich alleine bin, komme ich nicht klar.“ Das habe sich aber mittlerweile geändert. Er lebe nun in einer Betreuungseinrichtung in einem Nachbar-Landkreis, habe Kontakt zu anderen Bewohnern, komme mit ihnen auch klar. Dort gebe es einen Bauernhof, er habe nun einen geregelten Tagesablauf. Und von den Drogen sei er auch weg. Cannabis und Crystal Meth habe er während der Zeit des Briefe-Klaus konsumiert. Bezahlt habe er dies auch von dem, was er aus den geöffneten Briefen entnommen habe.

Richter Axel Bormann stellte das Verfahren gegen den Angeklagten auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein. Und gab dem Mann abschließend mahnend mit auf den Weg: „Machen Sie keinen Scheiß mehr.“

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