Viele Schlechtwetter-Flüchtlinge im Reisebüro / Länder am Mittelmeer sind der Renner

„Mal eine Woche Sonne tanken“

Die Urlaubsexperten Ines Könemann (l.) und Viola Grabenstein wissen, wohin Schlechtwetter-Flüchtlinge wollen: Türkei und Spanien sind die Renner. Griechenland-Reisen indes gingen zurück – Folgen der Euro-Krise. Foto: Osmers

Gardelegen. Monatelang haben sich die Menschen auf die Urlaubszeit gefreut – und dann das. Mitten im Sommer jagt in der Altmark ein Tiefdruckgebiet das nächste. Kaum noch ein Tag ohne Regen. Und das Thermometer wagt sich ohnehin kaum noch über die 20 Grad-Marke hinaus.

Wer kann, packt die Koffer, um der Sonne hinterher zu fliegen.

Der Trend ist unübersehbar. Wegen der anhaltend schlechten Wetterlage verzeichnen die Gardelegener Reisebüros derzeit eine sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Urlaubsregionen, die die Touristen mit einer Sonnengarantie locken. Der Schreibtisch von Viola Grabenstein, Leiterin des Gardelegener Werner-Tours-Büros, ist voller kleiner Zettel. „Alles kurzfristige Nachfragen von Leuten, die mal eine Woche Sonne tanken wollen“, sagt Viola Grabenstein, während sie zu den Zetteln blickt, auf denen sie die Wünsche der Urlauber notiert hat. Ganz oben stehen Urlaubsländer wie Spanien, die Türkei und Portugal. Zwar sind auch Fernreisen und Kreuzfahrten immer wieder gefragt. „Doch jetzt geht es nur um die Sonne“, weiß die Urlaubsexpertin. Einzige Ausnahme ist derzeit Griechenland, das durch die anhaltende Euro- und Regierungskrise schwer erschüttert ist. „Viele Leute sind verunsichert und schrecken davor zurück“, hat Grabenstein festgestellt. Die Griechenland-Buchungen sind ihren Angaben zufolge um weit mehr als die Hälfte eingebrochen. „Obwohl die Kunden, die dort waren, sehr zufrieden sind“, so Grabenstein.

Ähnliche Erfahrungen mit Schlechtwetter-Flüchtlingen sammelt in Gardelegen auch Michael Hietel in seinem Reisebüro. „Die klassischen Ziele in der Mittelmeerregion wie die Türkei und Spanien sind zur Zeit der Renner“, berichtet Hietel, der ebenfalls verstärkt kurzfristige Buchungen in Sonnenländer registriert. Die meisten buchen bei ihm den garantierten Platz an der Sonne für ein bis zwei Wochen.

Unabhängig von Regenwetter und Euro-Krise berichten die Leiter der beiden großen Reisebüros der Stadt von einem anderen Trend. Viele, die den Reisebüros schon den Rücken gekehrt und in den Vorjahren ihren Urlaub online im Internet gebucht haben, kehren mittlerweile wieder dorthin zurück, wo sie von geschulten Mitarbeitern im Vorfeld eine individuelle Beratung und so für den Ferienort ein abgesichertes Servicepaket erhalten – damit aus dem erhofften Traumurlaub kein Alptraum wird.

Von Dirk Osmers

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