Landesprogramm mit drei Maßnahmen im Raum Gardelegen / Gute Zusammenarbeit aller Beteiligten

Luft und Licht für Erica

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Günter Matthies und Ines Kampe von der ABS Drömling (v.l.) fuhren gestern mit Stefanie Horn-Harneid und Georg Rumlich vom Jobcenter, Christian Wiemann vom Altmarkkreis und Bürgermeisterin Mandy Zepig in die Kellerberge.

Gardelegen. „Ich bin schon ewig arbeitslos“, erklärt Kathleen Domine, die gelernte Köchin ist. „Seit Ewigkeiten“, ergänzt Maik Beelte, der von Beruf Maurer ist, aber schon diverse Maßnahmen und Umschulungen hinter sich hat.

Und auch bei Axel Feist, gelernter Maschinenführer und wie die beiden anderen aus Gardelegen, sind es auch schon „einige Jahre“, die er ohne festen Job ist.

Seit 1. Januar dieses Jahres allerdings heißt es für die 35-Jährige, die beiden 46- und 54-Jährigen sowie neun weitere Frauen und Männer aus der Einheitsgemeinde von Montag bis Donnerstag wieder regelmäßig früh aufstehen und zur Arbeit gehen, was laut Beelte, der mit seinen drei Kollegen in den Kellerbergen bei Kloster Neuendorf tätig ist, wieder „Spaß macht“. Denn sie sind über das Landesprogramm „Stabilisierung und Teilhabe am Arbeitsleben“ Teilnehmer von drei AGH-(steht für Arbeitsgelegenheit)-Maßnahmen der ABS Drömling im Bereich der Hansestadt Gardelegen in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter des Altmarkkreises Salzwedel und der Stadtverwaltung.

Wie Christian Wiemann, regionaler Koordinator für den Arbeitsmarkt im Altmarkkreis Salzwedel, erläutert, nimmt sich das Land mit dem Programm dem „verstetigten Kern von Langzeitarbeitslosen“ von 35 Jahre bis zum Rentenalter an, die mindestens drei bis vier Jahre „nicht mehr im Geschäft sind“. Das betrifft in Sachsen-Anhalt um die 10.000 Menschen. Und sie sollen, wenn möglich, in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden, „was nicht einfach ist“, so Wiemann.

Im Altmarkkreis Salzwedel nehmen 55 Frauen und Männer an insgesamt neun verschiedenen Projekten teil, die überwiegend im grünen Bereich angesiedelt sind. Weil, so erläutert Wiemann, zum einen für diesen Bereich einfach besser Leute zu finden sind. Zum anderen geht es vordergründig nicht um Berufsspezifika, sondern darum, wieder arbeitstypische Strukturen zu schaffen, damit die Teilnehmer besser in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Und es sind, das machte Georg Rumlich, Leiter Markt und Integration im Jobcenter, deutlich, Tätigkeiten, die wettbewerbsneutral sind, also zusätzlich abgearbeitet werden und keine Arbeitskräfte verdrängen. Was alle Beteiligten als sehr positiv bewerten, ist die Langfristigkeit der Maßnahmen über zwei bzw. drei Jahre.

Drei von den neun Projekten im Altmarkkreis sind in der Hansestadt Gardelegen angesiedelt, die die ABS Drömling für das Programm beantragt und genehmigt bekommen hat, erläutert ABS-Geschäftsführerin Ines Kampe. Jeweils vier Teilnehmer arbeiten in den Kellerbergen, pflegen dort die Biotope, die Heideflächen, den Trockenrasen die Bäume und die Wanderwege. Diese werden wieder frei geschnitten, sodass die Sichtachsen wieder hergestellt sind. Zudem werden Bänke instand gesetzt. Ähnliche Pflegemaßnahmen realisieren jeweils vier weitere Teilnehmer im Weteritzer Park und im Außenbereich Mieste/Miesterhorst. In allen Bereichen wurde schon jahrelang nichts mehr gemacht, was auch zeige, dass es zusätzliche Arbeiten sind. Die Frauen und Männer arbeiten 20 Stunden die Woche von Montag bis Donnerstag und erhalten zusätzlich zu ihrem ALG 2 pro Stunde 1,25 Euro. Erste Erfolge der Arbeiten, die regelmäßig mit dem Kreisumweltamt abgesprochen werden, sind in den Kellerbergen schon zu sehen. Wie Günter Matthies, hiesiger Bereichsleiter der ABS Drömling gestern vor Ort erläutert, steht derzeit die Baumpflege im Vordergrund, da Profilschnitte nur vom 1. Oktober bis zum 28. Februar des Folgejahres gestattet sind. Sie sind notwendig, da das gut angelegte Wandernetz von den Ästen der Bäume zum Teil schon sehr zugewachsen ist. Das gilt auch für Teile der Heideflächen, wo derzeit die Hochastung an den Bäumen an den Kanten und die Entfernung des Wildwuchses erfolgt. Denn die Heide (Erica) braucht Luft und Licht, um sich auszubreiten. Dafür können laut Matthies in den Kellerbergen keine Maschinen eingesetzt werden, da der Boden zu uneben ist. Aus diesem Grund müsse alles in Handarbeit erfolgen. „Ich könnte hier ein ganzes Jahr lang acht Mann ohne mit den Wimpern zu zucken beschäftigen“, machte er den Pflegeaufwand für die rund 60 Hektar Heideflächen in Verantwortung der Stadt deutlich.

Neben dem neuen Programm mit insgesamt zwölf Teilnehmern, arbeitet die ABS Drömling mit der Stadt auch noch bei einem Projekt für soziale Teilhabe zusammen, für das sechs Frauen und Männer in den Grundschulen eingesetzt sind. Dazu kommt noch ein Landesprogramm für Ü58-Jährige mit einer Teilnehmerin, die darüber beim Fremdenverkehrsverein Mieste beschäftigt ist.

Von Elke Weisbach

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