Info-Veranstaltung mit vielen Ideen für neue Verkaufsstelle im Heidedorf und Versorgung während Überbrückungszeit

„Letzlingen braucht eine Kaufhalle“

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Laut Ortsbürgermeisterin Regina Lessing (rechts) akzeptiere Letzlingen „die gegenwärtige Lage nicht“ – also ohne Verkaufsstelle. Daher hoffe sie auf viele Ideen.

Letzlingen. „Letzlingen braucht eine Kaufhalle“, rief Dr. Annett Lüders in den Kulturhaussaal, dem die Letzlinger und Einwohner aus den umliegenden Ortschaften mit lautem Applaus und Rufen zustimmten. Denn die PUG-Kaufhalle am Dorfplatz schließt am 31. Juli (AZ berichtete).

Am Sonnabend konnte dort letztmalig eingekauft werden, womit es dann laut der Ortsbürgermeisterin Regina Lessing in Letzlingen keine Verkaufseinrichtung mehr für die Grundversorgung gibt. Doch „Letzlingen akzeptiert die gegenwärtige Lage nicht“, so die Ortsbürgermeisterin. Und deswegen trafen sich Interessierte am Donnerstagabend im Kulturhaus des Heidedorfes, um die Frage „Was können wir tun?“, wie Regina Lessing fortfuhr, zu beantworten.

Dazu erläuterte sie zunächst drei mögliche Szenarien, wie es mit der Immobilie, die sich in privatem Besitz befindet, weitergehen könnte. Die erste vorgestellte Möglichkeit wäre „ein Glücksfall für uns“, so die Ortsbürgermeisterin. Dabei würde der Eigentümer das Objekt sanieren und verpachten. Das hätte den Vorteil, wenn der neue Mieter ein Handelsunternehmen wäre, dass der Standort der Verkaufsstelle bestehen bleiben würde und die Schließzeit kurz wäre. Bei der zweiten Möglichkeit würde das Gebäude abgerissen werden und die Fläche einen neuen Besitzer erhalten. Damit wäre allerdings fraglich, ob eine neue Kaufhalle entsteht. Diese würde bei der letzten genannten Möglichkeit einen neuen Standort erhalten. Denn die dritte Möglichkeit sieht vor, dass sich der jetzige oder ein neuer Eigentümer für eine andere Nutzung des Areals entscheidet und „das wäre der Horror“, so Regina Lessing.

Damit müsste eine Kaufhalle an anderer Stelle in Letzlingen gebaut und von Handelsunternehmen betrieben werden, wie sie während der Frage, wie die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln nach der Schließung der PUG-Kaufhalle gewährleistet werden kann, erklärte. Doch dabei gibt es mehrere Probleme. Zum einen sind die großen Handelsketten nur an Flächen in unmittelbarer Nähe zur Bundesstraße 71 interessiert. Dazu müssen Grundeigentümer eine Verkaufsbereitschaft signalisieren, doch das sei „gegenwärtig nicht der Fall“, so die Ortsbürgermeisterin. Des Weiteren ist die Entfernung nach Gardelegen, wo sich bereits einige Einkaufsmärkte befinden, zu gering. Deswegen wird von den Handelsketten die Kundschaft und damit auch der Umsatz als zu gering eingeschätzt. Die Menschen, so erläuterte Regina Lessing, seien nicht bereit, dass „volle Sortiment in Dörfern zu kaufen“. Denn es werden oftmals nur Sachen eingekauft, die beim Großeinkauf „vergessen wurden“. Dazu warf Dr. Annett Lüders später ein, dass auch viele in der PUG-Kaufhalle einkauften, weil sie „keine Zeit haben, Stunden im Supermarkt zu verbringen“ und fügte hinzu, dass, „wenn es hier einen größeren Laden geben würde, auch die Leute dort einkaufen“, was durch Zurufe der Anwesenden viel Zustimmung fand.

Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit, wenn der Standort mit einer Sanierung (Kosten etwa 700.000 bis 800.000 Euro) oder einem Neubau (mit Abriss etwa eine Million Euro) erhalten bliebe und keine Handelsketten oder Franchise-Unternehmen diesen übernimmt: Eine ehrenamtlich tätige örtliche Genossenschaft könnte gegründet werden, die dann eine Verkaufsstelle betreibt. „Das wäre aber der schwerste Weg von allen“, so Regina Lessing. Dennoch fand dieser Vorschlag viel Zuspruch, darunter auch von Bürgermeisterin Mandy Zepig, die ankündigte, dann auch Anteile zu erwerben. Mit diesen Anteilen würde Startkapital entstehen. Etwa 75.000 bis 100.000 Euro werden dafür benötigt. Dann könnten, so Regina Lessing weiter, unter anderem Kredite beantragt werden, sodass die Genossenschaft auch selbst Eigentümer einer Immobilie werden könnte.

Doch bis dahin müssen etwa eineinhalb bis zwei Jahre überbrückt werden. So lange wird es nach Einschätzung von Regina Lessing dauern, bis es wieder eine Kaufhalle im Heidedorf gibt. „Und bis dann müssen Mittel und Wege gefunden werden, um die Grundversorgung abzusichern“, so die Ortsbürgermeisterin. Unter anderem werden die noch vorhandenen Verkaufsstellen im Dorf ihre Sortimente erweitern. Das Quartiersbüro der Pfeifferschen Stiftungen bietet einen Shuttle-Service zu Einkaufsmärkten an. Auch der Helferkreis der Pfeifferschen Stiftungen könne laut Sophie Schönemann Einkäufe erledigen. Zudem wurde über einen Wochenmarkt mit regionalen Erzeugern diskutiert. Dies sei „aber auch schwierig“, so Regina Lessing.

„Aber wir finden eine Lösung“, versicherte Mandy Zepig. Auch Letzlingens Ortsbürgermeisterin erklärte, dass „wir das durchziehen“. Daher hoffe Regina Lessing auf viele Anrufe und E-Mails mit Ideen der Einwohner, damit die Arbeit an den verschiedenen Möglichkeiten für eine eventuell neue Verkaufsstelle bald beginnen können.

Von Ina Tschakyrow

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