Kaufhalle in Letzlingen schließt / Intensive Suche nach Lösungen / Mitte Juli Einwohnerversammlung

Lessing: „Es kam alles auf Zuruf“

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Pfarrer Gerd Hinke (von links) und Gardelegens Wirtschaftsförderin Julia Schlüsselburg waren zum Thema „Schließung der Kaufhalle“ dazu gebeten worden, Dr. Karl-Ulrich Kleemann, Sabine Grabau, Karl-Heinz Genz, Conny Reps und Renate Genz waren interessierte Einwohner.

Letzlingen. Alles lief über den sogenannten Buschfunk. Denn eine offizielle Mitteilung gab es von PUG Kauf – die Genossenschaft mit Sitz in Salzwedel ist Teil des Edeka Konzerns – nicht, dass sie sich als Betreiber der Kaufhalle in Letzlingen zurückzieht und diese schließt.

Im Mai 1976 wurde die Kaufhalle am Letzlinger Marktplatz eröffnet und überstand auch die Wende. Doch nun ist Schluss. Am 14. Juli kann dort zum letzten Mal eingekauft werden. Offiziell schließt sie dann zum 31. August. 

Zunächst auch nicht an die Mitarbeiterinnen vor Ort, die sich dann selbst erkundigten, ob und was an den Gerüchten dran ist. Mittlerweile steht fest, dass die Kaufhalle, eröffnet im Mai 1976, zum 31. August geschlossen wird. Da die Mitarbeiterinnen auch noch ihren Urlaub nehmen müssen, besteht am 14. Juli zum letzten Mal die Möglichkeit, am Marktplatz einzukaufen.

„Es kam alles auf Zuruf“, erklärte Ortsbürgermeisterin Regina Lessing, die das neu entstandene, große Problem im Heidedorf, das auch in den umliegenden Dörfern als solches gesehen wird, während der Ratssitzung am Dienstagabend im Jugendraum auch im öffentlichen Teil ansprach. Denn es geht um die Versorgung mit den alltäglichen Lebensmitteln vor Ort – vor allem für die, die schon älter, nicht motorisiert und damit nicht so beweglich sind, um woanders einzukaufen. Doch die Gespräche mit dem Betreiber, so Lessing, gestalteten sich kontrovers. Es gab von Seiten des Handels keinen „Handlungsspielraum“. Der Standort Letzlingen sei laut Aussage der Genossenschaft nicht wirtschaftlich, und das schon seit längerem. Und die Maßgaben wie zu DDR-Zeiten, dass der Handel in den Gemeinden eine Versorgungspflicht habe, gibt es, bedauert die Ortsbürgermeisterin, nicht mehr. Der Handel entscheidet, wo es lukrativ ist. Sie hätte sich allerdings gewünscht, dass man früher informiert worden wäre, um reagieren zu können.

Doch aufgeben kommt weder für sie noch für den Ortschaftsrat noch für die Stadt, die jegliche Unterstützung zugesagt hat, und auch für die Letzlinger selbst nicht in Frage. Hauptziel ist es in der nächsten Zeit, Mittel und Wege zu finden, die Einrichtung zu retten oder andere Wege zu finden, die Grundversorgung an einem anderen Standort im Dorf zu gewährleisten. Es gibt dazu schon einige Ideen und Varianten – auch von den Einwohnern selbst. Wie Lessing sagte, kommen seit dem Bekanntwerden der Schließung fast täglich Mails mit Ideen und Hilfezusagen – auch vom Eigentümer des Kaufhallengebäudes, der als Partner weiterhin bereitsteht. Und auf die Angebote werde sicher auch zurückgegriffen werden. Denn das Projekt, wie auch immer es am Ende aussehen wird, wird laut Lessing Kraft kosten. Allerdings werde es keine schnelle Lösung geben, macht die Ortsbürgermeisterin deutlich. Die Umsetzung könne anderthalb bis zwei Jahre dauern. Deshalb werde derzeit auch nach Lösungen für diese Übergangszeit gesucht. Eine Möglichkeit wäre, das Markttreiben zu intensivieren, um die Grundversorgung zu sichern. Das sei aber nur übergangsweise ein Rettungsanker und keine Dauerlösung, so Regina Lessing.

Über die schon zusammengetragenen Ideen und Varianten berieten die Ortschaftsräte am Dienstag im nichtöffentlichen Teil ihrer Sitzung. Mit dabei waren auch Julia Schlüsselburg, Wirtschaftsförderin der Hansestadt Gardelegen, und Letzlingens Pfarrer Gerd Hinke. Zum Ergebnis dieser Beratung erklärte die Ortsbürgermeisterin gestern auf Nachfrage, werden nun in den nächsten vier Wochen die verschiedenen Varianten, die als geeignet angesehen werden, geprüft. Dann soll es eine Einladung zu einer informellen Einwohnerversammlung im Kulturhaus geben. Das wird Mitte Juli sein.

Ortsbürgermeisterin Regina Lessing gibt sich trotz allem zuversichtlich: „Wir haben gute Partner und sind auf einem guten Weg.“

Von Elke Weisbach

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