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Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen in Gardelegen löst sich auf

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Von: Stefan Schmidt

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Senioren und Seniorinnen singen
Ein letztes Mal stimmten bei der Zusammenkunft der Landsmannschaft die Mitglieder das Ostpreußenlied an. © Stefan Schmidt

Ein letztes Mal wurde die heimliche Nationalhymne gesungen. Die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen löst sich auf. Es gibt niemanden, der sich bereit erklärt, im Vorstand mitzuarbeiten.

Gardelegen – Zum letzten Mal erklang bei einer Versammlung der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen ihr Lied: Das Ostpreußenlied, das von der Schönheit der Natur erzählt. Am vergangenen Freitagnachmittag sangen die Anwesenden in den Räumen der Volkssolidaritäts-Begegnungsstätte an der Nicolaistraße in Gardelegen ihre heimliche Nationalhymne – und direkt danach wurde, wie immer bei den Zusammenkünften der Heimatvertriebenen, das Westpreußenlied angestimmt.

Ein wenig Wehmut schwang mit, als die Liedzeile „...wo Milch und Honig fließt“ erklang. Denn nur wenige Minuten zuvor hatten die Mitglieder – es gibt nur noch deren 17 – einstimmig das Aus ihrer Landsmannschaft beschlossen.

Herbert Goldenberg, seit 20 Jahren Vorsitzender der Landsmannschaft und mittlerweile 85 Jahre alt, begründete diesen Schritt mit der Tatsache, dass sich – vor allem aus Altersgründen – niemand mehr bereit erkläre, der im Vorstand mitarbeiten wolle. „Und ich kann es aufgrund meines Alters nicht mehr“, erklärte er mit fast tränenerstickter Stimme. Sein Fazit: „Wir verlieren mit diesem Aus ein Stück Heimat.“ Doch der Schritt sei unausweichlich, verdeutlichte er. Es gehe bis zum Jahresende darum, die Landsmannschaft – es gibt ohnehin nur noch wenige in der gesamten Altmark – aus dem Vereinsregister zu löschen. Denn die Gardelegener Landsmannschaft ist ein eingetragener Verein und keinesfalls eine nur lose Vereinigung von Gleichgesinnten.

Doch genau das ist die Option für die Zukunft. „Es gibt ja durchaus die Möglichkeit“, verdeutlichte Herbert Goldenberg, „dass wir uns auch in Zukunft regelmäßig zusammenfinden und plachandern“, was auf Ostpreußisch so etwas wie Plaudern bedeutet. Die Räume der Volkssolidaritäts-Begegnungsstätte würden dafür auch künftig offen stehen – auch ohne offiziellen Eintrag im Vereinsregister.

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