Feedback von Bürgern an Künstler

Kunst aus dem Knast in Gardelegen

René Wendlandt und Petra Fraaß eröffneten die Ausstellung. 20 Bilder zum Thema „Das Wichtigste im Leben“ sind noch bis zum 13. März zu sehen.
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René Wendlandt und Petra Fraaß eröffneten die Ausstellung. 20 Bilder zum Thema „Das Wichtigste im Leben“ sind noch bis zum 13. März zu sehen.

Gardelegen – Am Dienstag wurde die Ausstellung bereits aufgebaut. Viele Kunden schauten sich die Bilder schon an und fragten sich, was diese bedeuten, erzählte René Wendlandt von der Sparkasse Altmark West.

Auch nachdem er sich die Kunstwerke genauer angeschaut hatte, stellte er fest, dass diese zum Nachdenken anregen.

Die 20 Bilder, die in der Filiale der Sparkasse Altmark West an der Bismarker Straße in Gardelegen seit gestern Vormittag angeschaut werden können, wurden zum Thema „Das Wichtigste im Leben“ gestaltet. Die Künstler sind Inhaftierte aus Justizvollzugs- und Maßregelvollzugsanstalten, die beim Wettbewerb des Landesverbandes für Kriminalprävention und Resozialisierung Sachsen-Anhalt mitgemacht haben.

Gemalt und gebastelt wurden verschiedene Motive, wie eine Gefängnismauer oder eine Uhr, die die vier Jahreszeiten darstellt. Die Kunstwerke würden zeigen, „was für die meisten von uns am wichtigsten ist“, sagte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher, die unter anderem mit dem Vorstand der Sparkasse Altmark West, einer Mitarbeiterin der Stendaler Staatsanwaltschaft, der Jugendgerichtshilfe, der Netzwerkstelle „Schulerfolg“ und dem Gardelegener Jugendförderungszentrum, mit dem die Sparkasse Altmark West bei der Ausstellung kooperiert, bei der Eröffnung war. Mandy Schumacher, die selbst als Rechtsanwältin tätig war, „war dieses Thema schon immer wichtig“. Sie nannte als Beispiel ein Bild, das einen „Hütchenspieler“ zeigt und verdeutlicht, wie die Justiz von dem Inhaftierten wahrgenommen wird. Hoffnungsvoll hingegen stimmen die Bürgermeisterin andere Bilder, bei denen deutlich wird, dass der Vollzug wirkt. Andere Maßnahmen, wie zum Beispiel der Täter-Opfer-Ausgleich würden aber meist besser greifen als der Vollzug, wie sie anhand eines Gedichtes, das ebenfalls Teil der Ausstellung ist, zeigte. Dort steht: „Die Zeit, die steht, als ob sie nie vergeht“.

Zeit, Glaube, Familie und Freunde seien das Wichtigste, was anhand der Bilder deutlich wird, erzählte Projektleiterin Jennifer Schmidt vom Landesverband für Kriminalprävention und Resozialisierung Sachsen-Anhalt. Diese Bilder sollen laut ihr genutzt werden, um mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Viele Bürger haben ein bestimmtes Bild von Straftätern, erklärte Jennifer Schmidt weiter, und denken, dass Straftäter für immer nur Straftäter sind. Sie seien aber beispielsweise auch gute Handwerker. Deren Resozialisierung könne aber nur funktionieren, wenn „die Öffentlichkeit mitspielt“, so Jennifer Schmidt weiter.

Wie die Bilder die Betrachter sehen, wie sie wirken und was für sie selbst das Wichtigste im Leben ist, können sie anonym auf einem Zettel notieren. Diese werden dann anschließend noch ausgewertet, informierte Petra Fraaß vom Jugendförderungszentrum, die unter anderem für den Täter-Opfer-Ausgleich zuständig ist und die Ausstellung gemeinsam mit Jennifer Schmidt ermöglicht hat.

Geplant ist gemeinsam mit den Schulsozialarbeitern und der Netzwerkstelle „Schulerfolg“, dass sich Schüler im Rahmen des Ethik-Unterrichtes die Kunstausstellung ansehen, informierte Petra Fraaß weiter. Die Kunstwerke können sich Interessierte während der Öffnungszeiten der Sparkassen-Filiale noch bis Freitag, 13. März, ansehen.

VON INA TSCHAKYROW

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