Der Krieg beginnt nicht mehr hier

„War starts here“-Camp der Militärgegner findet in diesem Jahr offenbar nicht statt

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In diesem Jahr ist wohl keine Polizeipräsenz nötig: Das „antimilitaristische Camp“ macht offenbar einen großen Bogen um die Altmark. Bisher gibt es jedenfalls keine Anmeldung.

Letzlingen. „Der Krieg beginnt hier“ – in englischer Sprache „War starts here“. So hieß sechs Jahre lang das Motto der antimilitaristischen Demonstranten, die auf und rund um den Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide gegen die Bundeswehr und gegen Militär im Allgemeinen demonstriert haben.

Doch offenbar beginnt der Krieg nicht mehr hier, also in der Altmark. Denn nach Informationen der Altmark-Zeitung wird es in diesem Sommer kein antimilitaristisches Camp in der Region geben.

„Dem Altmarkkreis Salzwedel liegt bis jetzt kein Antrag auf ein solches Camp vor“, teilt Kreis-Pressesprecherin Birgit Eurich auf Anfrage der Altmark-Zeitung mit. Und auch im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres bei Letzlingen geht man, so erfuhr die AZ, davon aus, dass es in diesem Jahr kein Camp geben wird. Auf der Internetseite der „War starts here“-Kampagne ist ebenfalls nichts von einem Camp zu lesen – anders als in den Jahren zuvor, als bereits Monate zuvor zur Teilnahme und zu Aktionen aufgerufen wurde.

Das Camp gab es seit 2012, also sechs Jahre lang. Anfangs noch mit massiver militärischer und polizeilicher Präsenz – bei der Premiere kamen mehr als 1000 Ordnungskräfte aus mehreren Bundesländern zum Einsatz – und mit Gewalt von Seiten der Demonstranten. Besprühte und beschädigte Fahrzeuge, das Unterhöhlen („Schottern“) von Bahngleisen, „Krähenfüße“ auf einem Bundeswehr-Sammelplatz für Verletzte: Die Bandbreite der Taten war groß. Negativer Höhepunkt war das versuchte Lahmlegen des kommunal betriebenen Potzehner Freibades mit abertausenden von Papierschnipseln: In Potzehner Bad leisten die GÜZ-Soldaten ihre Schwimmstunden ab.

Seit 2014 gab es allerdings einen Strategie- und auch einen Personalwechsel bei den Demonstranten: Die militanten Antimilitaristen wichen, deutlich friedfertigere Bundeswehr-Gegner kamen. Sie nutzten weiterhin ihr Demonstrationsrecht, einige von ihnen betraten am jährlichen „Aktionstag“ auch illegalerweise den Truppenübungsplatz. Es wurde aber nichts mehr zerstört. Zumal die Zahl der Teilnehmer zuletzt überschaubar blieb: Gerade mal etwa 100 Unentwegte, so die damalige Schätzung der Polizei, waren im vergangenen Jahr im abgeriegelten Camp bei Potzehne dabei.

Und in diesem Jahr kommt offenbar niemand.

Von Stefan Schmidt

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