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Im vierten Anlauf: Köckte sagt Ja

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Von: Stefan Schmidt

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Schild an Feldweg
An der Köckter Feldstraße könnten Eigenheime entstehen. © Stefan Schmidt

Turbulent ging es auf der Ortschaftsratssitzung in Köckte zu.

Köckte – Es war ein heilloses Durcheinander. Egal ob Mitglieder des Köckter Ortschaftsrates oder Einwohner: Im Feuerwehrraum, wo am Donnerstagabend die Sitzung des Köckter Ortschaftsrates stattfand, ging es hoch her. Ortsbürgermeister Torsten Polzin hatte Mühe, die Wogen zu glätten, rief mehrfach „Ruhe!“ und „Schluss jetzt!“ in den Raum – meist ohne Erfolg.

Was die Gemüter erhitzte, war die Tatsache, dass am westlichen Ortsrand, am Köckter Feldweg, auf der Fläche eines ortsansässigen landwirtschaftlichen Betriebs, Eigenheime entstehen könnten. „Der Bedarf ist da“, versicherte Hagen Sünder, dem die Fläche gehört und der bei der Sitzung – anders als bei vorangegangenen Zusammenkünften – dabei war und die Pläne auch vorstellen durfte. Doch er bekam vor allem von den anwesenden Einwohnern Gegenwind. Vorwürfe wie „Du lässt wirklich nicht locker“ und dass es ihm nur ums Geld gehe, schwirrten durch den Raum. Und auch die Befürchtung, dass Fremde nach Köckte ziehen und dann gegen den durch die Landwirtschaft verursachten Lärm im Dorf klage würden. Zitat eines Anwesenden: „Die ersten Wessis ziehen ein – und schon sind die Klagen da.“

Da half es während der Diskussion auch nicht, dass Hagen Sünder darauf verwies, dass der Köckter Ortschaftsrat ja nicht den Bau der Eigenheime beschließe, sondern erstmal nur das Verfahren anschieben würde, in dessen Verlauf durchaus auch festgestellt werden könnte, dass die Flächen für Eigenheime nicht genehmigt werden. „Da wird ja nicht gleich nächste Woche gebaut“, verdeutlichte er. Und dass es sich beim Bauherrn um einen seit 50 Jahren vor Ort ansässigen Betrieb handele. „Wir sind ja keine Loui´s, die erst vor zwei Jahren hergezogen sind.“ Er gehe offen und ehrlich mit dem geplanten Vorhaben um, versicherte Hagen Sünder: „Böse Absichten sind nicht da.“

Dafür aber immer noch der Widerstand. „Wird jetzt so oft abgestimmt, bis es einem passt?“, fragte ein Gast – der Köckter Ortschaftsrat hatte schon dreimal abgelehnt, Sünder hat nun erneut einen Antrag gestellt.

Der Ortsbürgermeister war zwar für ein Ja: „Es könnte sonst so aussehen, dass wir in Köckte keinen Nachzug wollen.“ Konter eines Anwesenden: „In Mieste gibt es auch noch freie Bauflächen.“

Die Abstimmung selbst fand nichtöffentlich statt. Im Gardelegener Rathaus eingegangen ist tags darauf folgendes Abstimmungsergebnis: Zwei Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und eine Nein-Stimme. Dazu ein Ratsmitglied, das als direkter Anwohner befangen ist und deshalb nicht mit abstimmen durfte. Damit hat der Köckter Ortschaftsrat im vierten Anlauf mit knapper Mehrheit den Weg für ein Verfahren zum geplanten Eigenheimgebiet freigemacht. Die endgültige Entscheidung darüber gibt es am Montagabend im Gardelegener Stadtrat, der ab 19 Uhr im Rathaussaal tagt. Das Votum des Köckter Ortschaftsrates hat hingegen nur empfehlenden Charakter.

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