Europa-Philharmonie startet kulturelles Bildungsprojekt in Zichtau / 5000 Euro Unterstützung durch die Stiftung Zukunft Altmark

„Klassische Musik ist mehr, als nur Entertainment“

Freuen sich auf den Auftakt von „Klassik – I like it“: Reinhard Seehafer (v.l.), Magnus Staehler und Carmen Seehafer. Foto: Tenbrink

ten Zichtau. Knapp 400 Grundschüler aus Gardelegen, Kalbe und Klötze sind mit dabei, wenn am 16. Oktober auf dem Gutshof in Zichtau der Startschuss für das kulturelle Bildungsprojekt „Klassik – I like it“ fällt.

In zwei Konzerten der Europa-Philharmonie Magdeburg soll dem jungen Publikum klassische Musik näher gebracht werden.

Dabei handelt es sich nach den Worten des Musik-Direktors der Europa-Philharmonie, Reinhard Seehafer, um eine „Musikförderung, die auf das Publikum von morgen zielt“. Dabei ginge es nicht nur um den Zugang zur Musik. Man hoffe auch, einige der Teilnehmer zu motivieren, selbst ein klassisches Instrument zu erlernen und sich auch ganz praktisch mit dieser Musik auseinanderzusetzen.

Außerdem ginge es um ein Verständnis von klassischer Musik als Kulturgut, das so von Generation zu Generation weitergegeben werde. „Klassische Musik ist mehr,als nur Entertainment“, sagt Seehafer.

Die Altmark habe man ganz bewusst für die Durchführung gewählt. Die Region biete sich durch ihre zum Teil originellen Spielstätten dafür an, „etwas zu etablieren, was es in Deutschland so nicht gibt“. Als Beispiel für eine solche Spielstätte nennt er den ehemaligen Rinderstall auf dem Zichtauer Gutshof. Abgesehen von seiner für einen Veranstaltungsraum ungewöhnlichen Vorgeschichte habe er eine tolle Akustik und biete Musikern wie Publikum eine ganz besondere, weil persönliche Atmosphäre.

Man gehe eben nicht in ein „großes Opernhaus, wo die Musiker in der Garderobe warten, bis der Gong ertönt“, ergänzt seine Frau Carmen, „sondern ist näher beieinander, steht in der Pause vielleicht zusammen, bekommt ein unmittelbares Feedback.“ Auch für die Künstler habe das einen besonderen Reiz. Die Stiftung „Zukunft Altmark“ wird das Vorhaben mit 5000 Euro unterstützen. Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Magnus Staehler, nennt noch einen weiteren Vorteil kleinerer Veranstaltungsorte: „So lässt sich die Schwellenangst nehmen“, sagt Staehler, „man betritt nicht die Oper, sondern die Orangerie.“

Staehler und das Ehepaar Seehafer haben sogar ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit, wie der kleine Rahmen eine vertrauliche Atmosphäre schaffe: Beim Benefizkonzert der Europa-Philharmonie zugunsten der Hochwasser-Opfer auf dem Gutshof habe ein kleines Mädchen in der Pause den Kontakt zu einem der Musiker gesucht. Im Gespräch hat sie auch erzählt, dass sie selbst Klavier spiele. Nach der Pause durfte sie selbst auf die Bühne und spielte ein Stück von Beethoven.

Die Konzerte für Dritt- und Viertklässler aus der Region am 16. Oktober stehen unter dem Motto „Vivaldi und das Waisenhaus von Venedig – auf den Spuren der vier Jahreszeiten“. Denn viele wüssten gar nicht, erzählt Carmen Seehafer, dass Vivaldi das Werk ursprünglich für das Mädchenorchester eines Waisenhauses komponiert habe, das er selbst leitete.

Man werde im Vorfeld auch an die Schulen gehen und die Schüler auf das Konzert vorbereiten. Künftig stellen sich die Initiatoren weitere Projekte vor, bei denen sich die Kinder selbst einbringen, ein solches Konzert zum Beispiel selbst planen und vorbereiten. Inhaltlich könne man mit dem „Zauberlehrling“ auch einen Bogen schlagen „von Goethe bis Walt Disney“, hat Carmen Seehafer schon die nächste Idee parat, „oder sogar bis hin zu Harry Potter.“

Für die Projekt-Premiere im Zichtauer Kuhstall habe man mit Elin Kolev außerdem einen „kleinen Star“ gewinnen können. Der 17-jährige Geiger aus Zwickau, der bereits mehrere Preise für sein Können erhalten hat, stehe beispielhaft für das Miteinander von jungen Menschen und klassischer Musik.

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