Burgstraße: 27 000 Fundstücke

Klappwaage, Sporn und Zapf-Hahn gefunden

Fundstücke: Unten ist der Arm einer kleineren, oben das Mittelstück einer größeren Klappwaage.

GARDELEGEN - Bis Anfang April waren bei den baubegleitenden archäologischen Grabungen an der Burgstraße rund 26 600 Fundstücke entdeckt worden. An diesem Mittwoch konnte Archäologe Dr. Uwe Fiedler mitteilen, dass es nun am Ende der Arbeiten über 27 000 Fundstücke sind, die ans Tageslicht befördert wurden.

Vor allem die Untersuchungen der künftigen Parkplatzfläche zwischen Klingberg und Wächterstraße waren in den vergangenen Wochen ergiebig. Denn es wurde beispielsweise ein Stück einer zweiten mobilen Klappwaage gefunden. Handelte es sich beim ersten Fund um den Arm einer kleineren Klappwaage aus der Zeit zwischen dem 12. und frühen 14. Jahrhundert (wir berichteten), ist der zweite Fund ein bronzenes Mittelstück, an dem die Arme links und rechts angesetzt waren.

Die Größe des Mittelstücks spricht für eine zweite, größere Klappwaage mit bis zu insgesamt 40 Zentimetern Spannweite, die zum Beispiel zum Abwiegen von Gewürzen, damals ein kostbares Gut, Verwendung gefunden haben könnte, vermutet Dr. Fiedler. Dafür spricht auch die Verzierung mit Ringpunzen.

Solche Funde sind ein Zeichen für die frühe Kaufmannschaft und das Handeltreiben in der Stadt, die man zwar im städtischen Milieu vermutet und auch findet, aber meist nur vereinzelt. Und da die Kaufleute auch früher schon nicht zu den Ärmsten gehören, erklärt der Archäologe, sprechen die Funde dafür, dass an der Burgstraße höher gestellte Bürger gewohnt haben.

Beide Klappwaagenteile wurden von Grabungstechniker Reinhard Heller gefunden, der unter anderem mit dem Metalldetektor jeden Zentimeter der Grabungsstelle untersuchte. Das zweite steckte in einem Fundament. Am Mittwoch konnte er zudem als neuesten Buntmetallfund einen Zapf-Hahn, der früher als Griff eines Ventils diente, sowie den Sporn eines Reitstiefels präsentieren.

Von Elke Weisbach

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