Kein neuer Vertrag für Sprachlehrer: Künftig keine Migrationsklasse in Miester Sekundarschule

„Kinder sind die Leidtragenden“

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Dirk Kuke wird als Sprachlehrkraft in Miestes Sekundarschule gekündigt. Das Landesschulamt verlängert seinen Vertrag nicht, obwohl die Schule einen Sprachlehrer braucht.

Mieste / Weteritz. „Ich habe nicht einmal eine ordentliche Kündigung in Briefform vom Landesschulamt Sachsen-Anhalt bekommen, sondern nur eine Mail. Das ist traurig und abwertend zugleich“, beklagt Sprachlehrer und Integrationshelfer Dirk Kuke.

Um den Integrationsprozess der registrierten Flüchtlinge voranzutreiben, wurde in Sachsen-Anhalt und in anderen Bundesländer händeringend nach Sprachlehrern gesucht. Um zu helfen und die Lücke zu füllen, erklärte sich Dirk Kuke im Mai 2015 bereit, an der Sekundarschule in Mieste zwei Mal die Woche ehrenamtlich Deutschunterricht zu erteilen. 

Rund 38 Schüler aus Vietnam, Polen, Indien, Afghanistan, Syrien, Albanien und dem Kosovo nahmen an seinem Unterricht teil, obwohl er kein studierter Lehrer ist. Er ist ausgebildeter Nachrichtentechniker und Oberstleutnant der Reserve (wir berichteten). Sein Lehrmaterial stellte er selbst zusammen, dafür recherchierte er mühsam im Internet. Und seine Bemühungen blieben nicht erfolglos. Seine Schützlinge lernten fleißig, hatten am Unterricht Spaß und machten schnell erste Fortschritte.

Daraufhin bot ihm die Sekundarschule in Mieste an, sich als Quereinsteiger beim Landesschulamt als Sprachlehrkraft zu bewerben. Das tat er auch. Drei Mal bewarb er sich um den Posten. Zwei Mal bekam er eine Absage. Beim dritten Mal klappte es schließlich. Zu Beginn des Jahres wurde ihm dann sein Vertrag zugeschickt, wenn auch befristet bis zum 13. Dezember 2016, aber mit der Aussicht auf Verlängerung, wenn Bedarf bestehe und wenn er an alle notwendigen Weiterbildungen teilnimmt. Was er auch tat, wie er bestätigt.

Nun bekam er am 15. Dezember vom Landesschulamt per Mail seine Kündigung. Mit der Begründung, dass das Landesschulamt Sachsen-Anhalt 75 Vollzeitstellen anbieten kann. Dieser Umfang wird derzeit von den Sprachlehrkräften überstiegen, sodass eine Auswahlentscheidung erforderlich war. 

Um eine Vertragsverlängerung zu bekommen, hätte Dirk Kuke laut Landesschulamt folgende Qualifikationen nachweisen müssen:

1.) Bewerber mit einem Lehramt-Abschluss, einem Abschluss, der die Aufnahme in den pädagogischen Vorbereitungsdienst ermöglicht oder einem nach dem Recht der ehemaligen DDR erworbenen Hochschulabschluss mit zwei Fächern, die in den aktuellen Stundenplan passen.

2.) Bewerber mit einem Masterabschluss und der Qualifizierung „Deutsch als Zweitsprache“.

3.) Bewerber mit einem Diplom- oder Masterabschluss oder einem gleichgestellten Hochschulabschluss, aus dem sich mindestens zwei schulrelevante Fächer ableiten lassen.

4.) Bewerber mit einem Bachelorabschluss und der Qualifizierung „Deutsch als Fremdsprache“ oder „Deutsch als Zweitsprache“.

Alles Kriterien, die der Integrationshelfer nicht erfüllt.

Im Gegenzug ist er sehr engagiert und eine wichtige Bezugsperson für seine Schüler und die Lehrkräfte der Sekundarschule geworden. Er ist „Lehr- und Sozialarbeiter in einer Person geworden“. Obwohl er als angestellter Sprachlehrer gekündigt wurde, will er dennoch bis Ende des Schuljahres seinen Unterricht ehrenamtlich fortsetzen, da das Landesschulamt keinen Nachfolger für ihn hat, obwohl die Schule sich bereits an das Landesschulamt gewandt und den Bedarf eines Sprachlehrers bekannt gegeben hat. „Es ist unfair der Schulleitung gegenüber, dass der Vertrag Mitte des Schuljahres ausläuft“ so Kuke.

Zudem sitzen aktuell in der Migrationsklasse sechs Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren, die erst seit rund drei Monaten in Deutschland leben und nur bedingt lesen und schreiben können und noch „eine fürsorgliche Förderung“ benötigen. Eine Förderung, die die Kinder im regulären Schulunterricht – und den werden sie besuchen müssen, wenn es keine Migrationsklasse in Mieste mehr gibt – nicht bekommen können, da die Zeit dafür nicht vorgesehen ist.

Nach den Weihnachtsferien will sich die Sekundarschule Mieste, so Kuke, erneut mit dieser Problematik an das Landesschulamt wenden. Bis dahin heißt es warten. „Ich würde mir wünschen, dass das Land seine Entscheidung überprüft, vor Ort kommt und mit den Schulen zusammenarbeitet. Denn am Ende sind immer die Kinder die Leidtragenden“, gibt der Integrationshelfer zu bedenken.

Von Marilena Berlan

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