Potzehnes Ortsräte stimmen einstimmig gegen den neuen Entgelttarif für Freibäder

Keine Freikarte für alle Kameraden

Ab der kommenden Badesaison soll ein neuer Entgelttarif für alle Freibäder der Hansestadt gelten. Dieser trifft allerdings nicht auf große Zustimmung in Potzehne. Fotos (2): Berlan (1), Archiv/koe (1)
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Ab der kommenden Badesaison soll ein neuer Entgelttarif für alle Freibäder der Hansestadt gelten. Dieser trifft allerdings nicht auf große Zustimmung in Potzehne. 

Potzehne. Auf der jüngsten Ortsratsitzung am Montagabend diskutierten Potzehnes Ortsräte heftig über den neuen Entgelttarif für die Freibäder der Hansestadt Gardelegen, der mit Beginn der Badesaison gelten soll, wenn der Stadtrat dafür stimmt.

Nach Paragraf 4 Absatz 2 und 3 der neuen Entgeltverordnung haben Mitglieder der Kinder- und Jugendfeuerwehren sowie Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren der Hansestadt Gardelegen gegen Vorlage eines Ausweises mit Lichtbild freien Eintritt in der Badeanstalt. „Es kann nicht sein, dass Frau Bürgermeisterin alleine entscheidet, ohne den Stadtrat zu fragen, und allen Kindern- und Jugendlichen der Feuerwehr freien Eintritt im Freibad gewährt. Das stört mich und ist regelwidrig“, sagte Orts- und Stadtratsmitglied Peter Kapahnke verärgert über den Beschluss von Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig im vergangenen Jahr. Das gleiche treffe auch auf die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr zu.

Ortsrat Peter Kapahnke ist verärgert über Mandy Zepig.

Das Problem: Nicht jedes Feuerwehrmitglied habe einen Dienstausweis. Nach Angaben von Stefan Fehse, Ortsrat und Wehrleiter in Potzehne, gebe es diesen Dienstausweis offiziell nicht mehr. „Die alten Kameraden haben einen Ausweis, die jungen nicht“, erklärte Fehse in der Runde. Trete ein Mitglied aus der Feuerwehr aus, werde ihm der Ausweis nicht eingezogen. So könne man auch als Nicht-Mitglied der Feuerwehr kostenlos baden gehen, warf Peter Kapahnke ein. „Wenn die Stadt einen Ausweis sehen will und den Vorschlag macht allen Feuerwehrmitgliedern freien Eintritt zu geben, dann soll sich auch die Verwaltung um die Ausgabe der Ausweise kümmern“, sagte Potzehnes Ortsbürgermeister Harald Rolletschek. Laut Peter Kapahnke sei diese Regelung für alle aktiven Feuerwehrmitgliedern, die sich bei den Einsätzen engagieren, unfair. Ihre Leistung werde mit der eines passiven Mitgliedes gleichgestellt und genauso honoriert. „Die aktiven Mitglider könnten sich da benachteiligt fühlen. Das darf nicht sein“, betonte er. Er schlägt deshalb vor, jeder Ortswehr eine bestimmte Anzahl an Karten zur Verfügung zu stellen. Der jeweilige Ortswehrleiter „entscheidet dann, wer von seiner Truppe in den Genuss von Freikarten kommt“. Das sei, laut Kapahnke, eine viel reellere Regelung und werte zudem die Autorität des Wehrleiters auf.

Ein weiteres Problem für die Freibäder stellt auch die Abrechnung der Freikarten dar. „Wenn alle aktiven und passiven Feuerwehrmitglieder das Recht auf Freikarten haben – und das sind nicht gerade wenig –, dann bleiben die Ausgaben für die Einrichtung gleich, aber die Einnahmen bleiben aus. Wir können so das Freibad schließen“, sagte Peter Kapahnke. Er fordert einen schriftlichen Vermerk der Freikarten, schließlich sei es Geld, das einfach so verschenkt werde und am Jahresende in der Stadtkasse fehle.

Im Großen und Ganzen sind die Potzehner Ortsräte nicht zufrieden mit dem neuen Entgelttarif. Ihnen missfällt es, dass es keine Saisonkarte und Familienkarte mehr gibt. Junge Familien werden hier besonders benachteiligt, sind sich die Ortsräte einig. Haben diese bisher für eine Badesaison mit der Familienkarte – die laut Peter Kapahnke rund 107 Badetage ausmacht – 200 Euro bezahlt, müssen sich jetzt die Erwachsenen für 90 Euro wie auch die Kinder für 60 Euro eine 5 x Zwölferkarte (anstelle einer Familienkarte) kaufen und können damit nur 60 Mal baden gehen. Eine vierköpfige Familie zahle insgesamt für 60 Tage Baden 300 Euro. „Die Stadt macht damit einen Gewinn und der Verbraucher einen Abstrich, weil er unterm Strich mehr Geld für weniger Badespaß ausgibt“, erklärte der Stadtrat.

Die Ortsräte sind sich einig: Es muss eine andere Alternative für Familien geben. Deshalb entschieden sich Potzehnes Ortsräte am Montagabend einstimmig gegen den neuen Entgelttarif. Im Gegenzug stellen sie einen Antrag, dass die Familienkarte erhalten bleiben soll und dass nur die aktiven Feuerwehrmitglieder gegen der Vorlage eines gültigen Ausweises mit Lichtbild – den Dienstausweis ausgeschlossen – kostenlos baden dürfen. Wer in den Genuss einer Freikarte kommt, soll außerdem der jeweilige Ortswehrleiter entschieden. Und die Abrechnung der Freikarten für alle Feuerwehrmitglieder soll auf der Einnahmenliste des Freibades gewehrleistet sein.

Erst wenn diese Bedingungen in der neuen Satzung berücksichtigt werden, erst dann werden auch Potzehnes Ortsräte dafür stimmen.

Von Marilena Berlan

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