Viele Laubbäume werfen bereits ihre Blätter ab / Auswirkungen der Trockenheit erst im Frühjahr sichtbar

„Kein schöner bunter Herbst“

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Viele der neuangepflanzten aus den vorherigen Jahren, wie hier eine Roteiche, sind vertrocknet.

Letzlingen / Roxförde. Zwischen Bäumen mit grünen Blättern stehen im Wald auch Bäume, deren Laub sich bereits braun verfärbt hat – daher wird es wohl „keinen schönen bunten Herbst geben“ so Thomas Roßbach, Leiter des Betreuungsforstamtes in Letzlingen.

Die Bäume bereiten sich schon auf die Winterruhe vor, ein Zustand, in den sich nur Laubbäume und Lärchen versetzen, um zu überleben, wie er erklärt. Wegen der anhaltenden Trockenheit werden, in diesem Jahr bereits viele Wochen zu früh, zunächst die Früchte, dann die Blätter und manchmal sogar Äste abgeworfen. Die Bäume erreichen, weil deren Wurzeln seit mehreren Wochen kein Wasser aufnehmen können, auch keine Mineralstoffe von der Mykorrhiza – ein Pilz, der an den Baumwurzeln und in einer Symbiose mit dem Gewächs lebt, wodurch sich die Organismen gegenseitig versorgen. So bekommt der Baum, wie Thomas Roßbach erläutert, durch die Mykorrhiza wichtige Nährstoffe, wodurch die Fotosynthese ermöglicht wird. Ohne die Mineralstoffe ist das nicht möglich. Beim Baum entsteht ein Defizit, einige vertrocknen, obwohl sie sich zuvor in die Winterruhe versetzt haben.

Auch die Nadelbäume bereiten sich wegen der Trockenheit bereits auf den Winter vor: Sie legen, genauso wie die Laubbäume, Knospen für das nächste Frühjahr an. Wenn es allerdings weiterhin, also auch im Herbst und Winter, so trocken bleibt, „sieht es schlecht aus“, so der Forstamtsleiter, dann treiben die Bäume vermutlich nicht aus. Dadurch werden auch jene Nadelbäume, die momentan noch nicht vertrocknet sind, absterben. „Wir haben deswegen schon Sorgen“, so Thomas Roßbach. Denn die Schäden im Wald durch die wenigen Regenfälle werden erst im Frühjahr sichtbar sein.

Im Gegensatz zu den jungen Bäumen und vielen Neuanpflanzungen, die bereits vertrocknet sind, wie ein Vergleich mit fast ein Jahr alten Fotos zeigt. So wurden im vergangenen September in einem Wald nahe Roxförde unter anderem Birken und Roteichen gepflanzt. Da es zu dieser Zeit mehr regnete, bildeten sich flache Wurzeln aus, da auch obere Bodenschichten gut durchfeuchtet waren. Die üppig belaubten Pflanzen passten sich den damaligen Gegebenheiten an und „haben jetzt schlechte Karten“, so Thomas Roßbach. Nun sind die oberen Bodenschichten nicht so feucht, die Wurzeln aber zu flach, sodass kein Wasser aus tieferen Schichten aufgenommen werden kann. Denn die Anpassung an das Wetter dauert länger, als die momentanen Wetterbedingungen sind. Dennoch „wird es der ein oder andere Baum schaffen“, ist sich der Forstamtsleiter sicher. So sind unter den Pflanzungen des vergangenen Septembers auch einige noch grün belaubte Bäume.

Die vertrockneten Baum-Flächen werden wohl wieder, aufgeforstet, was viel Geld kostet. Und zwar mit Beständen, die „mit solchem Stress klarkommen“, wie die Küstentanne, erklärt Thomas Roßbach. Zudem sei eine Vielfalt des Bestandes ebenso wichtig wie eine Mehrschichtigkeit, also eine unterschiedliche Höhe sämtlicher Pflanzen. Auch werden wieder junge Bäume eingesetzt, die sich dann wieder den Umständen entsprechend anpassen. Außerdem werde allgemein mehr aufgeforstet, so kommen laut des Forstamtsleiters mehr Pflanzen durch. Denn, so betont er, „wir müssen die Wälder erhalten und sie nicht kaputtmachen durch den Klimawandel“.

Von Ina Tschakyrow

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