Viele Nachteulen und Leseratten bei der 7. Kirchen-Lesenacht in Mieste

Kein Schatten ohne Licht

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Die diesjährige Miester Kirchen-Lesenacht stand unter dem Motto „Licht und Schatten“, denn beides gehört zum Leben. Die Buchauswahl und die geschaffene Atmosphäre spiegelten das Thema wieder.

Mieste. Die Sitzbänke der Miester Kirche waren am Freitag gut gefüllt – mit Schlafsäcken, Rucksäcken, Bettdecken, Isomatten, Kissen, Teddys, Luftmatratzen. Mitgebracht hatten diese Sachen 64 Kinder, die an der Kirchen-Lesenacht teilnahmen.

Die Beteiligung war außerordentlich hoch, freute sich Christel Schwerin, Miester Gemeindepädagogin, die mit vielen ehrenamtlichen Helfern die Lesenacht in Mieste schon zum siebten Mal organisierte. In diesem Jahr unter dem Motto „Licht und Schatten“. Die Idee entstand, weil die Vereinten Nationen in diesem Jahr das „Jahr des Lichts“ begehen: „Beides ist Teil des Lebens, das eine gibt es nicht ohne das andere“, erklärte Schwerin. Es sei wichtig, dass sich auch Kinder mal bewusst damit auseinandersetzen, dass das Leben Sonnen- genauso wie Schattenseiten hat.

Kathrin Heidemann (Mitte) war die einzige Frau, die bei der Miester Kirchen-Lesenacht vorlas.

Noch war es draußen hell, als Christel Schwerin die Kinder und über 25 Helfer und Vorleser in der Miester Kirche begrüßte. Nach einem gemeinsam gesungenen Lied, strömten die aufgeteilten Gruppen mit ihren Betreuern zu den Lesungen aus, denn es wurde sowohl in der Evangelischen und in der Katholischen Kirche gelesen, als auch im Riesebergsaal und in der Jurte, die die Pfadfinder aufgebaut hatten und die ihnen später als Schlafzelt diente.

Das Buchauswahlteam hatte die Leseliste zusammengestellt: „Lauf, wenn es dunkel wird“, „Schloss der Schatten“, „Der Morgen weiß mehr als der Abend“ oder „Eliot und Isabella und das Geheimnis des Leuchtturms“ spiegelten das Motto der Lesenacht schon im Titel wieder. Vorleser waren, mit der Ausnahme von Kathrin Heidemann, wie üblich Männer.

Verschnaufpause: Gemeindepädagogin Christel Schwerin (v.l.), Vorleser Erik Ahlemann und Tim Trüe und Helfer Volker Holtmeier.

„Nur zehn Prozent aller Väter lesen zu Hause vor“, erklärte Christel Schwerin. Deshalb sind bei der Lesenacht vor allem Männer die Vorleser, als Vorbilder, die zeigen, dass das Vorlesen nicht nur Aufgabe der Mütter ist, auch wenn viele der Frauen, die bei der Lesenacht mithelfen, dazu ebenfalls große Lust hätten. Welchen Stellenwert das Lesen in ihrem Leben häufig hat, merkt man auch schon bei Kindern: Es haben sich doppelt so viele Mädchen wie Jungs zur Kirchen-Lesenacht angemeldet.

Die Lesenacht bot neben den spannenden Geschichten noch viele weitere Erlebnisse: Die Kinder konnten Lesezeichen und Teelichttüten basteln, mit Georg Werneke den Kirchturm besteigen und sich von ihm die Glocken und die Turmuhr erklären lassen, mit Dirk Schütze die Orgel ausprobieren oder es sich am Lagerfeuer gemütlich machen und zu Gitarrenklängen singen.

Um 24 Uhr war es dann Zeit in die Schlafsäcke zu schlüpfen, geschlafen werden musste aber nicht – viele schlugen noch ihre eigenen Bücher auf und schmökerten im Licht ihrer Taschenlampen noch lange in Nacht hinein.

Von Hanna Koerdt

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