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Kaiserliche Kutschen jahrelang in Trüstedt versteckt

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Von: Ina Tschakyrow

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Drei Männer vor den historischen Kutschen
Udo Reinhard Otto Behrens (Mitte) übergibt die zwei Kutschen an den Heimatverein Letzlingen. Die Mitglieder Dr. Karl-Heinz Genz (links) und Dr. Karl-Ulrich Kleemann holten die historischen Fahrzeuge ab. © Ina Tschakyrow

Zwei Kutschen, mit denen das kaiserliche Gefolge von Kaiser Wilhelm II. zum Letzlinger Jagdschloss gefahren ist, standen jahrelang versteckt auf dem Hof der Familie Behrens in Trüstedt. Nun erhielt die historischen Fahrzeuge der Letzlinger Heimatverein.

Trüstedt / Letzlingen – Auf dem Hof von Udo Reinhard Otto Behrens in Trüstedt stehen unter einem Vordach zwei historische Kutschen, in denen Kaiser Wilhelm II. zur Hofjagd nach Letzlingen gefahren wurde. Seinem Großvater Otto Behrens, der vom 29. Februar 1876 bis zum 20. August 1962 lebte, wurden die Kutschen zur Verfügung gestellt, um den Kaiser vom Jävenitzer Bahnhof zum Jagdschloss nach Letzlingen zu bringen.

Otto Behrens hatte Kontakt zu Kaiser Wilhelm II., weil er die meisten Pferde auf seinem Hof hatte und ihm deswegen Kutschen zur Verfügung gestellt wurden, um den Kaiser und sein Gefolge zu fahren. Kaiser Wilhelm II. fuhr zunächst mit dem Zug von Berlin nach Jävenitz und von dort ging es mit der Kutsche durch die Heide zum Jagdschloss weiter. Der Kaiser fuhr in einer schwarzen Landauer Kutsche. Sie hatte an der Tür die rote Krone des Kaisers, war mit hellblauem Velours und runden Fenstern ausgestattet, erzählt Udo Reinhard Otto Behrens. Gegen 18 Uhr kamen der Kaiser und sein Gefolge freitags in Letzlingen an. Nach der Jagd ging es Sonntagnachmittag wieder zurück nach Berlin, berichtet Dr. Karl-Ulrich Kleemann, Vorsitzender des Letzlinger Heimatvereins, der gestern Vormittag in Trüstedt war, um die Kutschen nach Letzlingen zu fahren.

Kutschen wurden um 1850 gebaut

Udo Reinhard Otto Behrens überlässt die historischen Fahrzeuge dem Letzlinger Heimatverein, der die Kutschen in einer Scheune des Knackmuß‘schen Hof ausstellen möchte. Der Trüstedter hat kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert und gibt seinen Hof auf, erzählt er. Dessen Bau wurde von seinem Großvater im Jahr 1911 begonnen. Zwei Jahre später zog die Familie ein.

Es sind zwei Kutschen, die etwa um 1850 gebaut wurden und die nun in Letzlingen sind: ein Jagdwagen und ein Dog Cart, ein offener einspänniger Kutschwagen. Die schwarze Landauer wurde zerstört, erzählt Udo Reinhard Otto Behrens, bevor der Hof im Verlauf des politischen Umbruchs zur DDR von der LPG übernommen wurde. „Pferde und Kutschen“, sagt der Trüstedter, „waren damals verpönt“. Sein Vater, Alwin Reinhard Otto Behrens, der am 1. März 1903 geboren wurde, versteckte die zwei Kutschen, als 1960 die LPG schließlich den Hof übernahm. Die beiden historischen Fahrzeuge waren beim Kellerhals untergebracht, darauf kamen Stroh und Ackergeräte, wie Eggen, mit den Zinken nach oben, erzählt Udo Reinhard Otto Behrens. Den LPG-Bauern wurde gesagt, dass sie darauf nicht gehen sollen, da sie sonst in den Keller fallen würden. Die LPG hat Stroh und Getreide in der Scheune eingefahren und die zwei Kutschen blieben versteckt. Nach der innerpolitischen Wende hat Udo Reinhard Otto Behrens, der am 8. Juli 1951 auf dem Hof geboren wurde, die Kutschen wieder hervorgeholt. Er wusste von seinem Vater, wo sie versteckt waren. Die historischen Fahrzeuge sind gut erhalten. Der Trüstedter wollte die Fahrzeuge instandsetzen, aber als er am 1. November 1990 seinen landwirtschaftlichen Betrieb eröffnete, war keine Zeit.

Eventuell wird der Heimatverein die Kutschen restaurieren lassen, sagt Dr. Karl-Heinz Genz, Vorstandsmitglied. Zunächst werden die Kutschen aber ausgestellt.

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