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80 Häuser bei Brand in Gardelegen im Jahr 1667 zerstört

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Von: Ina Tschakyrow

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Ein Mann vor einer Karte
Jürgen Bajerski zeigte an einer Karte von Gardelegen, wie sich am 17. November 1667 ein Feuer in der Stadt ausbreitete. Es wurden in vier Stunden 80 Häuser vernichtet. © Ina Tschakyrow

Über die Gardelegener Bürger und deren Häuser von 1567 bis 1724 informierte Jürgen Bajerski in einem Vortrag. In der Nikolaikirche erfuhren die Anwesenden, wie es zum großen Stadtbrand kam und wo sich einst die Bäcker befanden.

Gardelegen – Wem gehörten einst die Fachwerkhäuser an der Nicolaistraße? Wer baute die großen Häuser mit den Giebeln an der Ernst-Thälmann-Straße? Wo waren einst die Bäcker in Gardelegen? Und wie breitete sich das Feuer aus, das im Jahr 1667 insgesamt 80 Häuser zerstörte? Darüber informierte am Freitagabend Jürgen Bajerski vom Verein für Kultur- und Denkmalpflege in seinem Vortrag „Die Gardelegener Bürger und ihre Häuser im Zeitraum 1567-1724“.

In der Nikolaikirche erfuhren die Gardelegener, wem die Häuser an der Ernst-Thälmann-Straße, am Rathausplatz, an der Rudolf-Breitscheid-Straße, an der Burgstraße, an der Nicolaistraße, am Holzmarkt, an der Priesterstraße, an der Sandstraße, an der Marktstraße und weiteren Straßen in der Innenstadt gehörten.

Jürgen Bajerski konnte das erfassen, als er von Otto Mewes vor etwa einem eine große Kiste mit Unterlagen erhielt. Er fasste alles in einer Excel-Tabelle zusammen, sodass Jürgen Bajerski die Häuser durch deren Nummerierung ihren Besitzern zuordnen konnte. Dazu kommen noch Häuser, die nicht den Bürgern gehörten, ebenso einige Hauslücken. Insgesamt waren es 524 Häuser, erfuhren die Anwesenden.

Informationen über Häuser und Besitzer

Die Familien Wendland und Nipage hatten Gebäude beim Rathausplatz. Sie waren Förderer der Nikolai- und Marienkirche, weswegen deren Wappen beispielsweise an der Decke der Nikolaikirche zu sehen sind, sagte Jürgen Bajerski, der sich seit seiner Jugend mit der Geschichte Gardelegens beschäftigt, mit den Häusern, den Befestigungsanlagen sowie den Kirchen.

Das Gebäude an der Ernst-Thälmann-Straße 10 hat einen Keller mit Kreuzgratgewölbe und Gurtbogen, fuhr Jürgen Bajerski fort. Eines der besten Häuser der Stadt war damals 440 Groschen wert.

Besonders war, wusste Jürgen Bajerski, dass Fabian Weber und Gertrut Duven zwei Häuser besaßen, das Haus Nummer 18 an der Ernst-Thälmann-Straße sowie das nebenliegende Gebäude.

Einige Häuser in Gardelegen hatten Ofenfußsteine, die zum Heizen genutzt wurden. Nachdem sie dazu im Laufe der Zeit nicht mehr verwendet wurden, wurden die Steine zur Zierde mit den Anfangsbuchstaben der Hausherren eingemauert. An einigen der Gebäude sind noch heute Ofenfußsteine zu sehen, so Jürgen Bajerski weiter.

Er informierte, dass Arnold Bierstedt Besitzer der heutigen Goethe-Grundschule war. Mit nur 22 Jahren war er Rektor der Lateinschule. Zudem war er in späteren Jahren Rastherr, Bürgermeister und Verfasser von bedeutenden Schriften.

Jürgen Bajerski erzählte, dass es einst eine Beschwerde der Ratsherren darüber gab, dass in Gardelegen manche Bürger nicht nur für Brandmauer und Schornsteine, sondern für ihre Häuser von Grund auf Mauerwerk benutzten. Gemauert wurden damals aber nur Gebäude, in denen der Adel wohnte.

Zu einem Stadtbrand kam es am 17. November 1667. Das Feuer entflammte in Haus Nummer 35 an der Rudolf-Breitscheid-Straße bei Joachim Grünanger. Der Wind breitete das Feuer aus, sodass schließlich Gebäude am Rathausplatz betroffen waren. Bei dem Brand, bei dem 80 Häuser vernichtet wurden, wurde zudem der Rathausturm beschädigt, wie Jürgen Bajerski anhand einer Karte seinen Zuhörern und Zuhörerinnen zeigte.

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