Jahreshauptversammlung der Klötzer Jägerschaft stand im Zeichen von Isegrim

Jordan prophezeit in drei Jahren zu viele Wölfe im Land

Miesterhorst. Angesichts einer rasanten Bestandsentwicklung beim Wolf rechnet Dr. Hans-Heinrich Jordan, Präsident des Landesjagdverbandes (LJV) Sachsen-Anhalt, schon bald mit einer Reduktion des in Deutschland zurückkehrenden Raubtieres.

„Spätestens 2017/18“, so der Jübarer, werde man „über Entnahmen nachdenken müssen“. Davon zeigte sich Jordan in seinem Grußwort während der Jahreshauptversammlung der Klötzer Jägerschaft in Miesterhorst am Freitagabend überzeugt.

Wolfsrudel marschiert am Trecker vorbei

Was mit der Schafzucht passiere, sei „unerträglich“, spielte der LJV-Präsident auf jüngste Wolfsrisse in der Altmark und auf den Elbwiesen bei Magdeburg an. Finanzielle Entschädigungen würden nicht reichen, so Jordan, der dem Land in Sachen Wolf Konzeptlosigkeit vorwarf. In einer elfseitigen Stellungnahme habe der Landesjagdverband vom Land eingefordert, dass in der sich derzeit in der Überarbeitung befindlichen Leitlinie Wolf der Sachverstand überwiegen sollte und nicht Wunschdenken. Nach Ansicht des Jübarers werde der Wolf das Land schon bald komplett besiedelt haben. Während seiner jüngsten Sitzung habe das LJV-Präsidium einstimmig beschlossen, dass ein Maximalbestand von 90 Wölfen in Sachsen-Anhalt als ökologisch vertretbar angesehen werde.

Hans-Ulrich Brückner, Kreisjägermeister des Altmarkkreises Salzwedel, kritisierte, dass in Bezug auf den Wolf die „Jäger nicht gefragt werden“. Er stellte in seinem Grußwort unter anderen die Frage in den Raum, wie teuer Sachsen-Anhalt die Wiederkehr des Wolfes werden wird.

Darauf, dass der „Wolf kein Kuscheltier“ und Deutschland eine Kulturlandschaft und keine Wildnis ist, machte der Klötzer Jägerschaftsvorsitzende Frank Fritsche aufmerksam. „Die Konflikte werden zwangsläufig zunehmen. Wir warnen schon heute vor der Entwicklung“, erklärte der Klötzer, der die Jäger dazu aufrief, sich aktiv am Wolfsmonitoring zu beteiligen.

„Vor einem Jahr habe ich nicht gewusst, auf was ich mich da einlasse“, blickte während der Versammlung Eckhard Wegwarth zurück, der als Wolfsbeauftrage alle Fakten zum Wolf im Altkreis Klötze – von Sichtungen über Spuren bis hin zu gerissenen Wildtieren („keine Nutztiere“, wie er betonte) – protokolliert und dem Land zur Verfügung stellt. Der Aufwand sei riesig: Seit dem ersten Fund eines Damwild-Kadavers und von Wolfskot am 27. Oktober im Klötzer Forst vergehe kaum ein Tag, an dem das Telefon nicht in Sachen Wolf klingele. Das seit wenigen Tagen vorliegende Ergebnis einer genetischen Untersuchung dieses ersten Nachweises habe nun die Anwesenheit des Wolfes „100-prozentig“ bestätigt.

Eckhard Wegwarth appellierte, bei Wolfshinweisen jeder Art sich zeitnah zu melden. Er stellte aber auch klar, dass nicht jedes aufgefundene tote Tier auf den Wolf geschoben werden dürfe. Auch falsche Hinweise würden derzeit, vor allem in den neuen Medien, zahlreich kursieren.

Von Matthias Mittank

Lesen Sie mehr dazu im E-Paper und in der Printausgabe der Altmark-Zeitung.

Weitere Wolfssichtungen der vergangenen Tage

Rubriklistenbild: © Repro

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare