Konzert der Thüringer Sängerknaben aus Saalfeld in der Klosterkirche von Kloster Neuendorf lockte 80 Besucher an

Jenseits des Stimmbruchäquators

+
Kaum zu glauben ist, dass diese jungen Sänger ein normaler Kirchenchor ohne Internatsunterbringung oder Musikschulanschluss sind. Die Thüringer Sängerknaben gastierten in der Klosterkirche von Kloster Neuendorf.

Kloster Neuendorf. Die glockenhellen Stimmen fröhlicher Sängerknaben aus Thüringen, ein Kantor mit viel Herzblut sowie zwei Könner an Orgel und Fagott – in der kühlen Klosterkirche waren die Zutaten für ein fantastisches Sommerkonzert am Montagabend in Kloster Neuendorf gegeben.

Offensichtlich war sein Ruf dem Chor vorausgeeilt, denn der Kirchenraum war zu Beginn des Konzertes mit etwa 80 Gästen gefüllt. „Soli Deo Gloria – Allein zur Ehre Gottes“ ist der Titel der Konzertreise, bei der der Chorleiter Andreas Marquardt mit seinen Sängerknaben 13 Auftritte in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt absolviert und das Ergebnis anstrengender und disziplinierter Probenarbeit präsentiert.

Die „Knaben“ jenseits des Stimmbruchäquators in schwarzen Anzügen und weißen Hemden mit schwarzem Binder eröffneten den Abend mit dem Prozessionshymnus „Gloria laus et honor“, der von der Stimmung perfekt in das alte Klostergemäuer passte. Entstanden ist dieses sakrale Werk vor dem Jahr 1000.

Nun schritt das Programm von Jahrhundert zu Jahrhundert, bis am Ende weltliche Musik und Thüringer Heimatlieder erklangen. Mit dem zweiten Werk im Programm „Meine Seele erhebt den Herren“ von Heinrich Schütz (1585 bis 1672) wurde der Knabenchor erst wirklich zu einem solchen, denn 20 junge Sänger, schick im weißen Hemd mit dem traditionellen Matrosenkragen, nahmen vor den Älteren Aufstellung. Einige verschwanden fast hinter ihren Textmappen und ließen ihre jungen unverbrauchten Stimmen mit großer Leidenschaft erklingen. Sehr virtuos spielte Denny Wilke die Toccata und Fuge d-moll von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) auf der Kirchenorgel – eins von zwei Orgelwerken, während denen die jungen Sänger Zeit hatten, Atem zu schöpfen. Nach dem zweiten Zwischenspiel der Königin der Instrumente erklangen „Nun will der Lenz uns grüßen“ und andere Lieder mit eher weltlichen Inhalten. Die Zugabe war noch einmal ein komplizierter Chorsatz eines „Laudate Deums“, bei dem die Saalfelder Sänger ihr Können noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Von Frank Olvermann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare