Feuerwehren im Gardelegener Stadtgebiet haben Probleme, tagsüber Kameraden zu rekrutieren

Nur jeder Vierte ist wirklich da

Gardelegens Stadtwehrleiter Wolfgang Hein mit der Auflistung der aktiven Kameraden in den Feuerwehren rundum. Nur jeder vierte aktive Feuerwehrmann ist tagsüber einsatzbereit. Foto: Schmidt

Gardelegen. Sie sind eine starke Truppe. Zumindest zahlenmäßig. Genau 1648 Mitglieder haben die Feuerwehren im neuen Gardelegener Stadtgebiet.

Das ist das Ergebnis einer Analyse, die die Feuerwehr-Verantwortlichen unter Vorsitz des einstigen Gardelegener Wehrleiters Rüdiger Wolf in den vergangenen Monaten gemacht haben. Damit sind in etwa so viele Personen Mitglieder einer Feuerwehr, wie Letzlingen, der drittgrößte Ort im Gardelegener Stadtgebiet, Einwohner hat.

Doch nicht alle diese Mitglieder gehören auch zur aktiven Truppe. Das listete Wolfgang Hein, Gardelegens Stadtwehrleiter, nun auf. Denn nicht einmal die Hälfte aller Feuerwehrleute kann im Ernstfall wirklich zu einem Einsatz hinaus fahren. Nämlich nur 705 von 1648 Kameraden. Die übrigen knapp 1000 Feuerwehrleute sind zu jung oder zu alt, gehören also der Jugendfeuerwehr oder der Ehrenabteilung an oder sind fördernde Mitglieder.

Was besonders problematisch ist: Von den 705 momentan registrierten aktiven Kameraden ist nicht einmal jeder Vierte tagsüber greifbar. Der große Rest arbeitet beispielsweise auswärts, kann also währen der Arbeitszeit nicht alarmiert werden. Gerade mal 162 Feuerwehrleute sind wochentags zwischen 6 und 18 Uhr in der Lage, bei Einsätzen auch wirklich auszurücken. Auch diese Zahl nannte Wolfgang Hein.

Ähnlich sieht es bei den Maschinisten aus. 152 Maschinisten gibt es in den Feuerwehren innerhalb des Gardelegener Stadtgebietes. Aber auch davon ist nur ein geringer Teil, nämlich knapp 26 Prozent, tagsüber da. Das sind genau 39 Personen. Von den 183 aktuell einsetzbaren Atemschutzgeräteträgern sind ebenfalls drei von vier werktags nicht vor Ort. Lediglich 46 Atemschutzgeräteträger können tagsüber zwischen Taterberg und Wollenhagen zum Einsatz kommen.

„Das große Problem ist der Tag“, hat Wolfgang Hein deshalb festgestellt. Abends, nachts und an den Wochenenden sieht das schon anders aus: Da sind viele der berufstätigen Feuerwehrleute daheim, sind also abrufbar.

Sieben Feuerwehren im Stadtgebiet haben tagsüber niemanden zur Verfügung. Deshalb plädiert Hein dafür, im Zweifelsfall Koalitionen zu bilden: Bei Alarmierungen sollten, wenn es die personelle Lage nicht anders erlaubt, mehrere Wehren gleichzeitig alarmiert werden. Dies geschieht bereits in mehreren Orten der Region.

Von Stefan Schmidt

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