Kunden verabschiedeten Letzlinger PUG-Verkaufsstelle / Überlegungen zu Möglichkeiten für neuen Laden

„Jeder war schon in dieser Kaufhalle“

+
Den ehemaligen und jetzigen Mitarbeiterinnen Ellen Mattheis (vorn v.l.), Karin Weiser, Elke Hötling und Petra Grabow wurde gedankt.

Letzlingen. Immer mehr Kinder, Erwachsene und Senioren kamen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Dorfplatz in Letzlingen. Dorthin, wo auch die PUG-Kaufhalle ist. Von dieser verabschiedeten sie sich gestern Vormittag, denn die Verkaufsstelle wird zum 31.

Juli – der Einkauf ist nur noch bis zum kommenden Sonnabend, 14. Juli, möglich – aufgegeben. „Und diese Schließung geht uns alle etwas an“, so Martin Chelvier, „denn jeder war schon in dieser Kaufhalle“.

Gemeinsam mit Annette Sladczyk, Sandy von der Ohe und Kornelia Reps organisierte er die Verabschiedung, bei der die Mitglieder des Letzlinger Männergesangvereins sowie Kinder des Hortes und der Kindertagesstätte „Heideblümchen“ auftraten. Diese sangen „Alle Leute kaufen gerne in dem großen Dorf heut’ ein, denn bei PUG-Kauf gibt’s alles knackig frisch – denn so soll es ja auch sein!“. Doch in dem Geschäft wurde, wie Kornelia Reps erklärte, nicht nur eingekauft – Senioren wurde es dort ermöglicht, dies selbstbestimmt zu tun, ihnen wurden die Taschen hinaus getragen und Kinder kauften dort zum allerersten Mal ein. Denn der PUG-Kauf „war eine Begegnungsstätte“. Man kannte sich, es wurden Neuigkeiten ausgetauscht, so die Mitorganisatorin, was die Menschen bewegt, erfuhr man in der Kaufhalle.

Zur Verabschiedung der PUG-Kaufhalle kamen nicht nur Letzlinger, sondern auch Einwohner der umliegenden Ortschaften.

Diese wurde vor über 40 Jahren, am 26. Mai 1976, mit „großem Tamtam“ gegründet, fuhr sie fort. Und so gab es bald darauf neben Fisch, einem Brotstand, einer Porzellan- und Delikat-Abteilung auch eine Büchse „Ananas für 12,70 Mark“. Die wurde nach „der Wende, die auch überstanden wurde, wieder bezahlbar“, schmunzelte sie. Außerdem konnten sich die Kunden, zu denen neben den Letzlingern auch Wannefelder, Roxförder, Polvitzer und in den vergangenen Jahren auch Mitglieder der Bundeswehr gehörten, nach der Wende auch über Eierstich im Glas, Joghurt mit Früchten, Rittersport-Schokolade oder Maggi-Fix („So was hatten wir vorher alles nicht“) freuen. Zu dieser Zeit wurden einige ältere Mitarbeiter in den Vorruhestand versetzt, von drei Lehrlingen blieb nur Ellen Mattheis, „und sie darf nun auch abschließen“, erklärte Kornelia Reps. Doch zuvor wurde viel versucht, um die Schließung zu verhindern, aber die Zeit von acht Wochen war dafür zu kurz.

Kornelia Reps habe als Vertreterin des PUG-Konsums im Altmarkkreis Salzwedel „den Mund aufgemacht“, doch das habe nichts gebracht. So wurden viele Probleme angesprochen, wie die veralteten Kassen oder dass nachmittags nur eine Verkäuferin arbeitet, „aber viel habe das nicht gebracht“. So gab es im Juni 2017 mit den Verantwortlichen ein Treffen, bei dem „zugesichert wurde, dass Letzlingen als Standort bleibt, wenn der Umsatz da ist“, fuhr Kornelia Reps fort, „doch angeblich ist er es nicht“. Laut der Mitorganisatorin sei er aber da. Daraufhin wurde eine kleine Gruppe gegründet, „um noch was zu retten“. Auch Dr. Karl-Ulrich Kleemann, Vorsitzender des örtlichen Heimatvereins, machte gestern deutlich, dass so lange etwas getan werde, „bis wir hier wieder eine Verkaufsstelle haben“.

In dieser arbeiten neben Ellen Mattheis noch Karin Weiser, Elke Hötling und Petra Grabow, die bei der Verabschiedung, ebenso wie viele ehemalige Mitarbeiter, anwesend waren. Diesen sollte nun gedankt werden. Und darum ginge es auch bei dieser Veranstaltung, wie Ortsbürgermeisterin Regina Lessing betonte: „Wir wollen nicht mit dem Finger zeigen“. Denn auch wenn, passenderweise auch gestern, dunkle Wolken über Letzlingen hängen, gebe es auch wieder Sonnenschein. „Wir machen uns Gedanken wie es weitergeht“, so die Ortsbürgermeisterin. Es gebe Möglichkeiten, dass es in dem Heidedorf wieder eine Verkaufsstelle gibt. Darüber wird am morgigen Donnerstag, 12. Juli, um 18 Uhr im Letzlinger Schützenhaus informiert, teilte sie mit. „Immerhin haben wir hier schon viel gerettet“.

Von Ina Tschakyrow

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare