Stadtwehrleiter Sven Rasch: „Wir haben im Stadtgebiet eindeutig zu wenig Einsatzkräfte“

Nur jeder 222. Einwohner kann tagsüber zum Löschen ausrücken

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Tagsüber gibt es im Gardelegener Stadtgebiet deutlich zu wenige Einsatzkräfte. Die Folge: Diejenigen, die verfügbar sind, werden übermäßig strapaziert.

Gardelegen. 644 Einsatzkräfte gibt es in den Feuerwehren der Einheitsgemeinde Gardelegen. Darüber informierte Stadtwehrleiter Sven Rasch während der Sitzung des Gardelegener Stadtrates am Montagabend im Rathaussaal. Diese Zahl klingt hoch.

Doch bei genauerem Hinsehen, so erläuterte Sven Rasch, sehe es nicht ganz so gut aus. Sein Fazit: „Wir haben eindeutig zu wenige Aktive in den Feuerwehren.“ Denn übertragen auf die Gesamt-Einwohnerzahl sind nur 2,81 Prozent aller Gardelegener als aktive Einsatzkräfte in den Feuerwehren dabei. „Fünf Prozent, das wäre ein Traum“, erklärte Rasch. Eine andere Zahl ist noch krasser: Tagsüber ist nur ein geringer Teil der aktiven Feuerwehrleute einsatzbereit, weil sie meist beruflich nicht vor Ort sind. „Wir sind nun mal eine Flächenstadt“, erklärt der Stadtwehrleiter. Soll heißen: Nur 0,45 Prozent aller Einwohner von Gardelegen und damit jeder 222. Gardelegener ist als Aktiver tagsüber in der Lage, beispielsweise bei einem Wohnungsbrand zum Gerätehaus zu eilen – der Rest ist am helllichten Tag gar nicht verfügbar.

Das bedeute, so Sven Rasch: „Es gibt ein Missverhältnis.“ Denn die wenigen einsatzbereiten Feuerwehrleute würden alltags über Gebühr beansprucht. „Die Einsatzzahlen sind nicht auf viele breite Schultern verteilt, wie es eigentlich sein sollte.“

Die meisten aktiven Kameraden gibt es in der Gardelegener Feuerwehr mit 58 (Stand: 31. Dezember 2017). Platz zwei belegt Miesterhorst mit 47 Einsatzkräften, gefolgt vom 335-Einwohner-Dorf Dannefeld mit 44 Aktiven und dem größten Ortsteil außerhalb der Kernstadt, nämlich Mieste (ebenfalls 44 Aktive). Danach folgen Jeseritz (32 Aktive), Jävenitz und Wiepke (jeweils 30) sowie Berge (26).

Immerhin: in 15 Ortsfeuerwehren innerhalb des Gardelegener Stadtgebietes gibt es eine Jugendabteilung mit insgesamt 144 Mitgliedern. Über eine Kinderfeuerwehr (136 Mitglieder) verfügen neun Wehren. „Ohne Jugendarbeit“, so lautet die Einschätzung des Stadtwehrleiters, wird die Feuerwehr vor Ort irgendwann sterben.“

Als Beispiel dafür nannte er Breitenfeld, wo es nur noch sieben Aktive gibt, aber fast doppelt so viele Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung. Gerade mal zwei Einsatzkräfte sind Atemschutzgeräteträger, die man bei Wohnungsbränden zwingend benötigt. Eine Jugend- und Kinderfeuerwehr gibt es in Breitenfeld nicht. Konsequenz: Brennt es im Ort, dann wird automatisch auch die Feuerwehr aus dem benachbarten Klötze alarmiert. Von dort ist es deutlich kürzer nach Breitenfeld als beispielsweise aus Gardelegen.

Von Stefan Schmidt

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