Der Jakobsmuschel hinterher

Helmut Schuller: 3002 Kilometer mit dem Rad von Weiden nach Santiago de Compostela

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Mit einer schweren Diagnose konfrontiert, fasste Helmut Schuller den Entschluss, sein Leben radikal umzustellen. Mit seiner Lebensphilosophie „Ernährung, Bewegung und Glaube“ besiegt er die Krankheit. Im Jahre 2010 bewältigte er den Jakobsweg.

Gardelegen. Es heißt, wer den Jakobsweg geht, der findet am Ende sich oder Gott. Der Oberpfälzer Helmut Schuller fand beides, sagt er.

Am Sonnabend hielt er im Gardelegener Rathaussaal einen zweistündigen Bilder-Vortrag über seine bewegte Lebensgeschichte und seine Intention mit dem Rad von seiner Heimatstadt Weiden nach Santiago de Compostela zu pilgern.

Der selbstständige Bauunternehmer – heute ist der 74-Jährige im Ruhestand – bekam einst vom Arzt die Diagnose „Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium“ gestellt. Eine zweite Untersuchung korrigierte den ersten Befund und statt Alzheimer wurde eine schwere Gehirnblutung festgestellt. Auf Empfehlung seines Arztes hätte er dringend operiert werden müssen. Er lehnte ab. Das Aneurysma im Kopf war allerdings nicht der einzige Tiefschlag in Helmut Schullers Leben. In den Jahren zuvor wurden ihm bereits ein Herzklappenfehler und eine vergrößerte Prostata diagnostiziert. Auch hier hätte er unters Messer sollen. Und auch schon damals lehnte er ab. Stattdessen fasste er Mut und krempelte sein Leben um. Anstatt Tabletten zu schlucken, stellte er seine Ernährung um – Schuller lebt seither nach der Ernährungslehre nach Hildegard von Bingen – und verordnete sich täglich Bewegung mit dem Fahrrad. Anhand seiner Lebensphilosophie „Ernährung, Bewegung und Glaube“ hat sich der 74-Jährige selber geheilt. „Meinen Glauben habe ich während meiner Krankheit wieder entdeckt“, gestand der Katholik.

Während der Zeit seiner Krankheit reifte in ihm der Wunsch den Jakobsweg zu gehen. So machte er sich am 21. Oktober 2010 von der Johanneskirche in Weiden mit seinem Fahrrad, einer einfachen Zeltausrüstung im Wert von 85 Euro, rund 50 Kilogramm Gepäck und ohne Landkarte auf den Weg. Während seiner gesamten Fahrt orientierte er sich an den Jakobsmuscheln – der Muschelkopf symbolisiert Santiago de Compostela und die Strahlen die Wege, die dorthin führen – die auf seinem Pilgerweg überall markiert waren.

Auf seiner Reise traf er Menschen aus aller Welt. Jeder von ihnen hatte seinen ganz persönlichen Geschichte, den Jakobsweg zu gehen. So auch eine Investbankerin aus Australien, die von ihrem Job eine Auszeit brauchte, oder ein holländisches Ehepaar, das auf dem Jakobsweg seine Hochzeitsreise machte. Mit vielen Pilgern, die er damals kennenlernte, hat er heute noch Kontakt.

„Mein Ziel war es, püntlich zu den Feierlichkeiten in der Jakobskirche anzukommen.“ Und das schaffte er auch. Nach 40 Tagen und 3002 Kilometern mit dem Fahrrad kam er ans Ziel.

Heute ist der 74-Jährige, froh seinen neuen Weg gefunden zu haben. Er teilt seine Erfahrungen mit anderen und spricht gerne über seine Ernährungsform nach der Lehre von Hildegard von Bingen. Seine Pilgerreise habe ihn an Eindrücken und Bekanntschaften reicher gemacht, berichtete er in Gardelegener Rathaussaal Am Ende sagte Helmut Schuller, gerichtet an die Zuhörer: „Gehen Sie ihren Jakobsweg, nicht meinen.“

Von Marilena Berlan

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