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In Jävenitz geht die Sonne unter

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Schmidt
Heinz Baldus, der Bürgermeister von Jävenitz, wird aus Protest gegen die baldige Zwangseingemeindung nach Gardelegen die Sonne am Giebel des Rathauses im Dorf mit einem schwarzen Tuch verhüllen. Und zwar am Freitag um 14 Uhr.

Jävenitz - Von Stefan Schmidt. Am Jahresende ist es soweit. Dann wird die bisher eigenständige Gemeinde Jävenitz zur Stadt Gardelegen zwangseingemeindet. Damit dies auch alle sehen, hat Bürgermeister Heinz Baldus eine spektakuläre Aktion ins Leben gerufen: Die mit Blattgold verzierte Sonne am Giebel des Jävenitzer Rathauses wird in ein schwarzes Tuch gehüllt. Auf diese Weise soll dargestellt werden: In Jävenitz geht bald die Sonne unter.

Er ist ein Mann mit Sinn für Symbolkraft. Und ein Mann für das Geschichtliche. Die mehrere Jahrhunderte andauernde kommunale Eigenständigkeit der Gemeinde Jävenitz geht bald zu Ende. Bürgermeister Heinz Baldus und sein Gemeinderat haben sich stets standhaft geweigert, ihre Eigenständigkeit freiwillig aufzugeben. „Weil ich nicht derjenige sein will, der später in der Ortschronik unseres Dorfes als der Mann erwähnt wird, der das Aus von Jävenitz unterschrieben hat“, so Baldus zur Begründung.

Mit Datum des 18. Juni hat der Landtag in Magdeburg die Gebietsreform beschlossen. Und damit auch, dass Jävenitz zum Jahresende Teil der Stadt Gardelegen wird. Baldus war als Zuhörer zugegen, verließ den Landtag aber vorzeitig. „Aus reinem Selbstschutz“, wie er während der Ratssitzung am Dienstagabend in Jävenitz erklärte. Denn das, was da mitunter geredet worden sei, habe ihn dermaßen erzürnt, „dass mich die Saalordner wohl ein paar Minuten später ohnehin rausgeschmissen hätten, weil ich nicht mehr hätte an mich halten können – ich kenn´ mich doch“, mutmaßt Baldus.

Nun plant er eine ganz besondere Protestaktion gegen die Zwangseingemeindung: Die Sonne am Giebel über jenem Gebäude direkt an der B 188, das woanders Gemeindeverwaltung heißt, das Baldus aber nach eigenem Verständnis als „Rathaus“ bezeichnet, soll verhüllt werden. Und zwar mit einem schwarzen Tuch. Dauerhaft. Als Symbol für den vom Land verordneten Untergang der eigenständigen Gemeinde Jävenitz. Am morgigen Freitag will Baldus schweres Gerät auffahren lassen, um die mit Blattgold verzierte historische Sonne zu verhüllen. Das hölzerne Monument wurde vor fast sieben Jahren, im August 2003, feierlich an der alte Stelle angebracht. Jahrzehntelang war die Sonne weg. Irgendwann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das bis heute nicht wieder auftauchte Original des Wahrzeichens von Jävenitz, bis der Gewerbestammtisch der Gemeinde im Zuge der Sanierung des heutigen Weidenhof-Gebäudes, in dem Bürgermeister Baldus – noch – residiert, eine Nachbildung spendierte, die der Jävenitzer Restaurator Fritz Bens seinerzeit anfertigte.

Zur symbolträchtigen Verhüllung der Jävenitzer Sonne sind natürlich auch alle Einwohner der Noch-Gemeinde und weitere Interessenten eingeladen.

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