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Internationaler Tag des Bieres: Brauer und Mälzer Steffen Kleine erklärt, worauf es ankommt

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Von: Lea Weisbach

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Ein Mann zapft Bier aus einer Zapfanlage.
Steffen Kleine braut seit dem vergangenen Jahr Bier in der Gardelegener Brauerei. Derzeit besucht er neben der Arbeit die Meisterschule in Kulmbach. © Lea Weisbach

Zum Internationalen Tag des Bieres erklärt Steffen Kleine, Mälzer und Brauer in der Gardelegener Braugesellschaft, worauf es bei einem guten Bier ankommt.

„Hopfen und Malz, Gott erhalt´s.“ Den Spruch haben sicher schon viele gehört. Hopfen, Malz, Wasser und Hefe sind die vier Bestandteile des beliebtesten alkoholischen Getränks der Deutschen: Bier. Laut Angaben des Deutschen Brauer-Bundes haben die deutschen Braustätten im Jahr 2021 85,3 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt. Auch wenn der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Bier bereits seit vielen Jahren in Deutschland sinkt, tranken die Menschen dennoch durchschnittlich knapp 89,4 Liter Bier im vergangenen Jahr.

In Gardelegen wird seit etwa anderthalb Jahren wieder Bier von der Gardelegener Braugesellschaft gebraut. Neben dem Tag des deutschen Bieres, welcher am 23. April aufgrund der Verkündung des Reinheitsgebotes im Jahr 1516 gefeiert wird, gibt es außerdem einen internationalen Tag des Bieres. Dieser wird immer am ersten Freitag im August gefeiert – so auch heute.

An diesem Tag steht die Dankbarkeit im Vordergrund. Es wird an die Menschen gedacht, die dafür sorgen, dass der Hopfensaft aus den Zapfhähnen fließt und bei den Kunden landet. Dazu zählt auch der 24-jährige Brauer und Mälzer Steffen Kleine aus Letzlingen, der in der Gardelegener Braugesellschaft das Garley braut und zurzeit an den Wochenenden die Meisterschule in Kulmbach besucht. Momentan seien in seinen Kesseln, Fässern und Flaschen Pils und Helles – die Standardsorten der Brauerei. Aber einige Flaschen des Sommerbieres, ein obergäriges Schankbier mit weniger Alkohol, gebe es noch zu kaufen. „Das Bockbier und den Frühlingssud haben uns die Leute aus den Händen gerissen“, erinnert sich Steffen Kleine zurück.

Unterschiedliche Aromen

Doch worauf kommt es bei einem guten Bier an? Dies erklärt der Brauer im AZ-Gespräch. „Wenn Pils drauf steht, dann soll auch ein Pils drin sein“, erläutert er. Das Bier müsse in sich stimmig sein. Was bei der einen Sorte ein Fehlaroma sei, könne in einer anderen Biersorte wieder gewollt sein, führt Steffen Kleine fort. Dabei können der Hopfen, das Malz und die Hefe unterschiedliche Geschmäcker ausbilden. Der Hopfen kann beispielsweise Zitrus-Aromen freisetzen. Malz ist unter anderem für die Karamell- oder auch Kaffee-Noten verantwortlich. Hefe kann ein buttriges Aroma ausbilden. Dies seien jedoch nur einige wenige Beispiele von Aromen, die von den Zutaten hervorgerufen werden können.

Aber auch der vierte Bestandteil, das Wasser, sei für den Geschmack verantwortlich. „Hast du hartes Wasser, kannst du kein weiches Bier brauen“, so Steffen Kleine. Aufgrund des hohen Kalkgehalts im Wasser gab es früher beispielsweise in Franken hauptsächlich dunkles Bier, in Tschechien eher das schlanke Pils. Heute wird das Wasser jedoch aufbereitet. Wichtig sei außerdem das Zusammenspiel der unterschiedlichen Komponenten.

Pils: schlank, herb und stabiler Schaum

Um nicht geschmacksblind zu werden und auch immer wieder neue Ideen für die eigenen Kreationen in der Gardelegener Brauerei zu entdecken, probiert sich Steffen Kleine durch allerlei Biere durch. Er selbst greift gern zum Pils. „Ich bin schon eher der schlanke Biertrinker“, erklärt er mit einem Schmunzeln – denn Pils sei seine Nummer eins. Ein gutes Pils müsse in seinen Augen schlank, herb und nicht zu süß sein sowie einen stabilen Schaum besitzen. Laut dem Deutschen Brauer-Bund sei dies auch das beliebteste Bier bei den Deutschen. Kernige oder mostige Biere, wie zum Beispiel dunkle Bockbiere, sind hingegen nicht seine Favoriten, ebenso zu liebliche Biere. Das Helle, welches neben Pils ebenfalls in der Brauerei gebraut wird, „ist milder gehopft und hat mehr Restsüße“, als ein Pils, fügt Steffen Kleine hinzu.

Auch auf die Lagerung kommt es an. Je weniger Licht durch eine Umverpackung kommt, desto besser sei es für den Inhalt, informiert der Brauer. Somit sei das Fass oder die Dose, die der Letzlinger auch als kleines Fass bezeichnet, die beste Lagerungsvariante. Denn auch das Licht sei ein Faktor, der den Geschmack des Bieres beeinflusst. Je heller das Glas der Bierflasche wird – von braunem über grünes bis weißes Glas – ,desto mehr Licht gelangt in die Flasche und somit an das Bier. Das beste Bier kommt, so der 24-Jährige, jedoch „frisch vom Tank oder aus dem Hahn“.

Fünf-Liter-Flaschen werden saisonal gekauft

Am besten würden sich die kleinen 0,33-Liter-Flaschen des in Gardelegen gebrauten Bieres verkaufen, eher saisonal und zu den Feiertagen die Fünf-Liter-Flaschen. Die Fässer kommen bei den Gastronomen gut an. In vielen Restaurants sei der heimische Hopfensaft besonders beliebt und dementsprechend auch mal ausverkauft. Aber auch Privatkunden erwerben Fässer und leihen sich gleichzeitig eine der vier mobilen Zapfanlagen aus.

In der vorherigen Woche setzte der Brauer den 46. Sud in diesem Jahr an. In 2021 gab es insgesamt 52 Sude. Das heißt, dass in der Brauerei in den nächsten Wochen der 100. Sud seit Beginn angesetzt wird. Zum Herbst und Winter können sich die Bier-Liebhaber wieder auf ein Bockbier freuen, „das kommt zum 100 Prozent“, berichtet Steffen Kleine mit Blick in die Zukunft.

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