Sanierungsarbeiten in der Miester Kirche / Blaue Farbgestaltung

„Innere der Kirche wird Charakter bekommen“

Pastorin Cornelia Ketter und Gemeindekirchenrat Dirk Schütze an der Emporenecke, die bereits in der neuen Farbgebung gestaltet ist.
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Pastorin Cornelia Ketter und Gemeindekirchenrat Dirk Schütze an der Emporenecke, die bereits in der neuen Farbgebung gestaltet ist.

Mieste. Wo unter der Woche ansonsten zumeist andächtige Ruhe herrscht und am Wochenende Gott gelobt und gepriesen wird, bestimmen seit Mitte Mai Bauaktivitäten das Bild. Denn die evangelische Kirche zu Mieste wird im Inneren saniert.

Am Ende wird der Innenraum zum größten Teil in Blau mit Akzenten in Rotbraun und gebrochenem Weiß erstrahlen, so wie er schon einmal nach dem Einbau der Orgel und der Öffnung der Decke als Tonnengewölbe nach oben um 1905 ausgesehen hat.

Die Sanierung – dazu gehören umfangreiche Putzarbeiten, die Neuausmalung des Innenraums inklusive der neuen Farbgestaltung des Gestühls, der Emporen und des Altars sowie die Erneuerung der kompletten Elektro-Anlage aus Brandschutzgründen – war schon seit längerem im Plan des Kirchspiels Mieste, zu dem die Dörfer Mieste, Miesterhorst, Sichau und Dannefeld gehören. Das erklärt Gemeindekirchenrat Dirk Schütze, der als Fachmann die Maßnahme mit vorbereitet hat und den Ablauf überwacht. Doch Sanierungsmaßnahmen können – auch aufgrund der Finanzen – nur nach und nach umgesetzt werden. Und dass nach Miesterhorst, dort wurde die Kirche vor zwei Jahren innen und außen saniert, nun Mieste an der Reihe ist, zeige die „schöne Solidarität untereinander“ im Kirchspiel, freut sich Pastorin Cornelia Ketter.

Die konkreten Vorbereitungen begannen schon im Jahr 2012. Denn für die denkmalrechtliche Genehmigung waren laut Schütze restauratische Untersuchungen notwendig. Damit wurde Mathis Schubert aus Gardelegen beauftragt. Der Restaurator untersuchte im August 2012 das Innere der um 1831 erbauten Kirche nach Spuren der Vergangenheit, besonders nach Farbspuren, und wurde aus verschiedenen Epochen fündig. Die derzeitige, noch aktuelle Farbgestaltung erfolgte 1952/53. Zwei mögliche Varianten aus früherer Zeit wurden anhand des erstellten Konzepts gemeinsam mit dem Denkmalamt in Halle ausgewählt. Und Schubert gestaltete im November 2013 jeweils eine Emporenecke in der Kirche in den vorgefundenen Farben.

Die eine Variante bezog sich auf die Zeit, als der Sandsteinturm um 1884 angebaut wurde, der sogar den Brand 1890 überstand. Damals wurde das Kircheninnere in gräulichen Sandsteintönen gestaltet, damit die Turmgestaltung sich im Inneren widerspiegelt. Damals hatte die Kirche auch noch eine flache und niedrige Decke und keine Orgel.

Um die Jahrhundertwende entschlossen sich die Miester, eine Orgel in ihre Kirche einbauen zu lassen. Wilhelm Rühlmann, Orgelbaumeister aus Zörbig, übernahm dies. Um 1905 erhielt die Königin der Instrumente ihren Platz im Miester Gotteshaus, das dafür umgebaut werden musste, um Platz zu schaffen. Die flache Decke wurde entfernt und dafür das Gewölbe zum Dach hin in Tonnenform errichtet. Im Anschluss wurde der Kircheninnenraum farblich neu in dem dominanten blauen Ton, der als zweite Variante zur Wahl stand und im Endeffekt vom Gemeindekirchenrat in Absprachen mit den Gemeindemitgliedern auch gewählt wurde, gehalten.

Wie Schütze und Ketter berichteten, sei die Entscheidung nicht einfach gewesen. Es habe schon Für und Wider gegeben, aber die Entscheidung sei richtig gewesen. „Der Raumeindruck wird kräftiger und freundlicher“, schätzt Schütze ein. „Das Innere der Kirche wird Charakter bekommen“, ist sich Pastorin Ketter sicher. Im Spätherbst, so ist es geplant, soll die Sanierung abgeschlossen sein. Derzeit wird an den Wänden gearbeitet, die dort, wo es notwendig ist, neu mit Lehmputz versehen werden. Da dieser eine lange Trockenzeit hat und durchgetrocknet sein muss, bevor der Maler beginnen kann, ist das eine unsichere Konstante, die den Zeitplan kippen lassen könnte. Finanziert wird die mit rund 65 000 Euro veranschlagte Sanierung zu je einem Drittel von der Landeskirche, vom Kirchenkreis und der Kirchengemeinde Mieste, die dafür auch auf Spenden angewiesen ist.

Von Elke Weisbach

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