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Auf „Garde-Lehrer“ folgt „Garde-Bohrer“

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Von: Stefan Schmidt

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Vertragsunterzeichnung am Tisch
Der Kooperationsvertrag wurde unterschrieben. © Stefan Schmidt

Die Stadt Gardelegen versucht, den akuten Zahnärzte-Mangel zu bekämpfen.

Gardelegen – Aktuell praktizieren zwölf Zahnärzte im Gardelegener Stadtgebiet. Das Problem: In zwei Jahren sind es nur noch sieben. Und bereits im vergangenen Jahr mussten drei Praxen aus den verschiedensten Gründen entweder einen Personalwechsel vollziehen oder ganz schließen. Keine Frage: Auf dem Gebiet der Einheitsgemeinde Gardelegen gibt es akuten Zahnarztmangel. Deshalb finanziert die Stadt Gardelegen, das haben de Mitglieder des Stadtrates einstimmig entschieden, das Studium von künftigen Zahnärzten mit. Und zwar in Form eines Stipendiums über 500 Euro im Monat. Diese finanzielle Unterstützung ist nicht zweckgebunden, sie kann also für Miete oder Lebensmitte ausgegeben werden. Einzige Bedingung: Nach Abschluss des Studiums müssen die jungen Zahnärzte im Gardelegener Stadtgebiet praktizieren. Und zwar mindestens so lange, wie sie zuvor aus der Stadtkasse finanziell unterstützt worden sind. Das Verfahren ist angelehnt an das seit 2018 bestehende „Garde-Lehrer“-Projekt, um Lehrerinnen und Lehrer nach Abschluss ihres Studiums ans Gardelegener Stadtgebiet zu binden. Auf „Garde-Lehrer“ folgt also quasi „Garde-Bohrer“.

Gardelegen ist die erste Kommune in Sachsen-Anhalt, die ein solches Stipendium anbietet. Das betonte der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt, Dr. Jochen Schmidt – selbst noch praktizierender Zahnarzt in Dessau. Die KZV begleite darüber hinaus Zahnärzte, die sich in Sachsen-Anhalt außerhalb der Ballungsräume niederlassen, ergänzte er. Denn angesichts der immer weniger werdenden Dentisten in Sachsen-Anhalt „bekommt man nicht nur graue Haare“, verdeutlichte Jochen Schmidt, „sie fallen einem auch ganz schnell aus“.

Mandy Schumacher, Gardelegens Bürgermeisterin, unterzeichnete am Mittwoch im Gardelegener Rathaussaal gemeinsam mit Jochen Schmidt den Kooperationsvertrag. Zwar sei es „nicht die originäre Aufgabe einer Kommune“, sich um die Besetzung von Zahnarztpraxen zu kümmern. Tue man aber nichts, ändere das erst recht nichts an der misslichen Lage. Nach den Erfahrungen mit „Garde-Lehrer“ rechne sie eher damit, dass künftige Zahnärzte aus der Region das Stipendium in Anspruch nehmen. Willkommen sind aber generell Bewerber aus ganz Deutschland. Eine Obergrenze gibt es übrigens nicht. „Je mehr sich bewerben“, so Mandy Schumacher, „desto besser für uns“.

Die erste Bewerbungsrunde endet am 31. Oktober. Details dazu stehen auf der städtischen Internetseite www.gardelegen.de.

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