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Immer den Yukon entlang

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Warum der Mythos Yukon noch immer die Menschen in seinen Bann zieht, darüber berichtete Dr. Dirk Rohrbach im Cafe „Andrea“.
Warum der Mythos Yukon noch immer die Menschen in seinen Bann zieht, darüber berichtete Dr. Dirk Rohrbach im Cafe „Andrea“. © Heinze

Miesterhorst – Dr. Dirk Rohrbach ist süchtig nach Nordamerika und hat dort bereits zehntausende Kilometer zurückgelegt: Zu Fuß, auf dem Fahrrad, mit seinem Ford-Truck „Loretta“ – oder im Kanu dem Yukon entlang. In Miesterhorst las er nun aus seinem neuen Buch.

Einen Sommer lang folgte der promovierte Arzt in seinem selbst gebauten Kanu aus Birkenrinde dem 3000 Kilometer langen Strom Yukon, von den Quellseen bis in die Beringsee.

Dr. Dirk Rohrbach begegnete Häuptlingen, Trappern und Aussteigern. Der heute hauptberuflich als Journalist, Autor und Fotograf Tätige erlebte eine raue, aber immer wieder atemberaubende, ihm majestätisch erscheinende Welt, lernte sich bei diesem Abenteuer neu kennen. Von dieser epischen Reise durch den endlos weiten Norden Amerikas berichtete Dirk Rohrbach am Sonnabend im Café „Andrea“ in Miesterhorst.

„Ich hoffe, Sie sind heute nicht nur wegen des leckeren Essens zu uns gekommen, sondern auch um Dirk Rohrbach, der den Umweg von den großen Bühnen über Miesterhorst gemacht hat und aus seinem Buch ‘Yukon – Neue Abenteuer am großen Fluss’ lesen wird, zu begrüßen“, hieß Diethelm Meyer die 43 Gäste willkommen.

Dirk Rohrbach ist bereits das zweite Mal im Café „Andrea“ zu Gast. „Vor vier Jahren bin ich im Fernsehen auf ihn aufmerksam geworden und habe ihn dann 2016 über das Internet kontaktiert und einen Termin vereinbart“, verriet Diethelm Meyer. Damals berichtete Dirk Rohrbach von seinem Radabenteuer mitten durch Amerika, bei dem er 100 Tage unterwegs war und rund 7600 Kilometer erstrampelte.

Am Sonnabend nahm der gebürtige Hanauer die Zuhörer mit auf eine Reise in eine Gegend, wo viele Siedlungen nur vom Fluss oder aus der Luft zu erreichen sind, wo Elche, Bären und Weißkopfseeadler zu Hause sind, wo die Lachse, die eine wesentliche Nahrungsgrundlage für die Einwohner und ihre Tiere sind, flussaufwärts zu den Laichgebieten ziehen. Er berichtete von dem rauen Klima, den veränderten Passkontrollen an der Grenze sowie faszinierenden Sonnenunter- und -aufgängen. Bereits dreimal habe er den Yukon komplett erpaddelt.

Vor allem sind es die Menschen, die den 50-Jährigen immer wieder an den Strom ziehen. Da ist zum Beispiel der Aussteiger und Selbstversorger Andy, der mit seinen elf Schlittenhunden allein im Busch lebt und auch sein eigenes Bier braut. Oder Keith, ein Tlingit-Indianer und Meisterschnitzer von Totempfählen oder der Russe Jake, der vor etlichen Jahren am Fluss strandete und nun nicht mehr aus dieser Gegend weg möchte. Dirk Rohrbach trifft auf Relikte des Goldrausches und indianische Dörfer, knüpft und pflegt Kontakte zu den Jägern, Fischern, Eskimos und Aussteigern.

Anschließend stand Dirk Rohrbach den Zuhörern Rede und Antwort. Ob er schon einmal gefährliche Situationen mit wilden Tieren, wie Bären oder Wölfe, erlebt habe. Das wurde verneint.

Wie die medizinische Betreuung der Ureinwohner aussieht, die verstreut in der zum Teil unwegsamen Gegend leben, wollte ein Zuhörer wissen. Oder ob er schon einmal bei seinen Reisen ernsthaft erkrankte?

Bisher habe er immer Glück gehabt, so Rohrbach. Vor jeder Reise lasse er sich gründlich durchchecken. Bisher hätten ihn nur einmal schlimme Zahnschmerzen gepeinigt und die wurden in Dawson City von einem ausgewanderten deutschen Zahnarzt behandelt. Nach seinen Zukunftsplänen befragt, berichtete Dirk Rohrbach, dass er bereits im vergangenen Jahr den Missouri von der Quelle bis zur Mündung in den Mississippi und dann bis in den Golf von Mexiko gefahren ist. Diese Strecke will er noch einmal mit einem Kamerateam für eine mehrteilige Fernsehserie absolvieren.

Dirk Rohrbach bereist seit 30 Jahren Nordamerika, engagiert sich für die Rettung der Sprachen der amerikanischen Ureinwohner und zählt mit seinen preisgekrönten Reportagen und Bildbänden zu den erfolgreichsten deutschen Referenten.

VON RENATE HEINZE

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