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„Ihr kennt wohl die Geschichte?“

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Während Märchenmann Harald Kibbat und sein läusebefallener aber kluger Fuchs erzählten, ...

Estedt - Von Gesine Biermann. Draußen schien die Sonne, im Raum der vierten Klasse indes herrschte Lagerfeuerstimmung. Märchenerzähler Harald Kibbat nahm die Estedter Grundschulkinder mit in ein Königreich, „dass einmal war vor langer, langer Zeit...“

Denn dort lebte ein König, der hatte drei Söhne. Und einen Apfelbaum mit goldenen Früchten. Die allerdings waren nicht sicher. In jeder Nacht wurden einige von ihnen geklaut. Eine Sache, die sich Papa König auf keinen Fall bieten lassen wollte. Und so legen sich die Söhne auf die Lauer... und die Estedter Kids setzen sich bequem hin und ließen den Mann vor der Tafel nicht mehr aus den Augen.

Klar, Märchen kennen sie alle. Und dennoch ist es etwas ganz Besonderes, wenn Harald Kibbat sie erzählt.

Ein Buch? Hat er nicht dabei. Er hat seine Märchen alle im Kopf. Und auch in den Händen. Die nämlich braucht der Märchenmann ganz dringend zum Erzählen.

Mit ihnen zieht er sich selbst am Rüschenhemd, als drängelnder jüngster Königssohn: „Duuuu Papaaa!“

Damit kratzt er sich am Kopf, wenn der König nachdenkt, und damit öffnet er immer mal wieder zwischendurch seine große Märchenschatzkiste, um die spannendsten Requisiten herauszuzaubern.

Einen kuscheligen Fuchs zum Beispiel, der zwar extrem unter Läusebefall leidet – die er zum Spaß der Steppkes schmatzend kaut –, der aber dazu auch noch reden kann. Und zwar nicht nur mit dem jüngsten Königssohn, der sich erwarteterweise als der pfiffigste herausstellt, sondern auch mit den Kids vor ihm auf den Stühlen. Und als die beim dritten Mal schon ganz genau wissen, dass Meister Reinecke wieder an der Reihe ist, und das dem Märchenmann auch laut zurufen, ist der denn doch ganz schön erstaunt: „Ja, ich glaube Ihr kennt die Geschichte schon...“

Dass am Ende alles gut wird, ist ganz klar. Schließlich ist das Märchen von den Brüdern Grimm. „Gebrüder ist übrigens falsch, die waren ja keine Firma“, versichert Kibbat, bevor er zu den Knirpsen der ersten und zweiten Klasse wechselt, um auch sie in seinen Bann zu ziehen.

Das Ende des Märchenprojekttages anlässlich der Namensgebung der Estedter Peter-Härtling-Grundschule ist dann übrigens auch ein gutes. Denn da steht eine große Schatzkiste, in der für jeden Schüler, der den Märchenparcour der Viertklässler schafft, eine coole Überraschung steckt.

Allerdings war in Estedt gestern auch schon der Anfang toll. Denn bevor Märchenmann Harald Kibbat sein „Es war einmal...“ sprach, hatten die Kids in ihren ersten beiden Stunden schon einen gemütlichen Start in den Tag hinter sich. Sie durften sich märchenhafte Stationen in ihren Klassenzimmern aussuchen, dort Bücher tauschen, einfach nur lesen oder auch Bilder zu den Geschichten des Schulnamenpatrons und Kinderbuchautors Peter Härtling malen. Die schönsten davon sollen dann später im Flur der Schule aufgehängt werden.

Aber einige davon bekommt auch Peter Härtlinge selbst geschickt, zusammen mit vielen Fotos vom märchenhaften Tag der Namensgebung „seiner Schule“. Und die werden ihm sicher gefallen, auch wenn er keine Märchen, sondern tolle Geschichten schreibt.

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