Für Pfarrer Horst Dietmann ist Weihnachten „Großkampftag“ – und er ist auch noch ein Christkind

„Ich werde zweimal beschenkt“

Gardelegens Pfarrer Horst Dietmann hält an Weihnachten nicht nur insgesamt fünf Gottesdienste ab – an Heiligabend alleine drei. Er hat am heutigen 24. Dezember auch noch Geburtstag. Foto: Schmidt

Gardelegen. Für Horst Dietmann ist der heutige Heiligabend ein Großkampftag. Denn der Pfarrer aus Gardelegen muss predigen. Weihnachtszeit ist für Gottesleute nun mal Haupt-Arbeitszeit.

Doch bei Dietmann kommt noch etwas hinzu: Der gebürtige Salzwedeler feiert ausgerechnet am heutigen heiligen Abend seinen Geburtstag. Er wird 59 Jahre alt.

„Ich sehe das positiv“, sagt Dietmann. „Wer hat schon die Möglichkeit, an ein und dem selben Tag gleich zweimal beschenkt zu werden?“ Denn trotz dreier Gottesdienste am heutigen Tag nimmt sich Familie Dietmann buchstäblich zwischendurch auch die Zeit, selbst Weihnachten zu feiern.

Los geht es am heutigen Vormittag. Da wird der Geburtstag von Horst Dietmann gefeiert. Erstmals im frisch renovierten Pfarrhaus am Holzmarkt. „Das ist immer eine lustige, fröhliche Runde“, sagt Horst Dietmann. Doch gegen Mittag müssen die Gäste allmählich gehen. „Das tun sie auch anstandslos“, so Dietmann. „Denn sie wissen : Ich muss mich dann auf meine Arbeit vorbereiten.“ Die Arbeit, das ist am Nachmittag ein Gottesdienst in Ipse, dann um 17 Uhr der Weihnachtsgottesdienst in der Gardelegener Marienkirche. Und spätabends um 23 Uhr die Christnacht, ebenfalls in Gardelegens größtem Gotteshaus.

Zwischen beiden Marienkirchen-Terminen bleibt etwas Zeit, selbst Bescherung zu machen. „Dieses Jahr habe ich keine Vakanz“, so Dietmann. Sonst müsse er oft noch woanders aushelfen, in anderen Kirchen vor Ort sein. „Ich weiß gar nicht, was ich zwischen 17 und 23 Uhr machen soll“, scherzt der Pfarrer.

In dieser Zeit nämlich ist die Familie an der Reihe. Dann wird Zuhause Heiligabend gefeiert. Mit Abendbrot und dem Auspacken von Geschenken. Und ganz in Familie. Zwei der drei Dietmann-Kinder sind da. Nur ein Sohn fehlt: Er ist Altenpfleger in Würzburg. Und muss selbst an Heiligabend arbeiten, hat also keine Zeit für eine Heimkehr zur Familie.

Dass Weihnachten ein Arbeitstag für Dietmann ist, kannte er schon als kleines Kind. „Meine Mutter war Küsterin in Salzwedel“, sagt der heutige Jubilar. Auch da musste sie am 24. Dezember stets zum Dienst. „Ich kenne das also von klein auf nicht anders.“ Und über Weihnachten verreisen, wie andere, das kann er sich gar nicht vorstellen. „Das wäre ohnehin nicht mein Ding“, sagt Horst Dietmann.

Stattdessen nimmt er am heutigen 24. Dezember wieder mehrere hundert Geburtstags-Glückwünsche entgegen. Denn die Gemeinde weiß natürlich, dass Horst Dietmann – die Pfarrstelle in Gardelegen hat er seit mehr als einem Vierteljahrhundert, genau seit dem 8. 8. 1988 – ein leibhaftiges Christkind ist. Nach Gottesdienst-Ende, wenn er an der Ausgangstür der Kirche steht und die Besucher verabschiedet, dann kommen die Glückwünsche. Und auch mal das eine oder andere kleine Präsent.

Mit der Tatsache, dass Horst Dietmann an seinem eigenen Geburtstag stets auch arbeiten muss, hat er sich von Beginn an arrangiert. „Ich habe eben immer nur einen halben Geburtstag“, sagt er. Und freut sich auf den heutigen Tag.

Von Stefan Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare