„Ich werbe gerne für unsere Stadt“

Sie kümmert sich um die Instandhaltung der Nikolaikirche

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Carmen Gräffner bereitet die Arbeit in der Gardelegener Nicolaikirche viel Freude. Für Gespräche mit Besuchern bleibt immer noch etwas Zeit.

Gardelegen. „Wenn Touristen in die Kirche kommen, werbe ich gerne für unsere Stadt Gardelegen mit ihren alten Fachwerkhäusern“, sagt Carmen Gräffner.

Seit einem Monat arbeitet sie nun immer werktags für vier Stunden in der Nikolaikirche und kümmert sich liebevoll um die Instandhaltung.

Und so wie sie berichtet, scheint die alte Kirchenruine einige Touristen in die Hansestadt zu locken. „Es kommen Menschen aus den nahe gelegenen Dörfern, aus Magdeburg und Bielefeld, ja sogar aus der Schweiz, um sich den Kirchenbau anzuschauen und mehr darüber zu erfahren“, berichtet sie begeistert. Und die alten Kirchenmauern haben geschichtlich einiges zu bieten.

Geweiht ist die Nikolaikirche dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Kaufleute und Schiffer. Was wiederum auf den Ursprung der Stadt als Kaufmannssiedlung deutet, die sich am Schnittpunkt wichtiger Handelswege im Schutz der Burg am Mildeübergang entwickelte. Bis vor der Reformation war die Nikolaikirche die Hauptkirche der Hansestadt. Erst seit dem Jahre 1539 gewann die Marienkirche in Gardelegen an Bedeutung, so dass man Ende des 18. Jahrhunderts sogar mit dem Verkauf und Abriss der Kirche spekulierte. Die Bürger lehnten das aber ab und sorgten für die Wiederherstellung.

Bei einem alliierten Bombenangriff am 15. März 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde die Nikolaikirche größtenteils zerstört und seitdem nie wieder komplett aufgebaut. Mittels einer großzügigen Spende konnte 1991 erstmals die Turmspitze erneuert werden. Große und kleinere Spendensummen bestätigen immer wieder das Interesse die Kirche weiterhin aufrecht zu erhalten. Dank des seit 1993 gegründeten Vereins für Kultur- und Denkmalpflege Gardelegen ist das ehemalige Gotteshaus wieder betretbar und kann für Veranstaltungen genutzt werden. Aktuell sind auch einige Restaurierungsmaßnahmen in Planung. „Wir haben vor, die Gruftkapelle wieder in Ordnung zu bringen“, berichtet Anette Bernstein, die Vorsitzende des Vereins für Kultur- und Denkmalpflege. Voraussetzung dafür sei aber die Genehmigung der Gelder. Und darauf warte man noch, so die Vorsitzende.

Interessierte Besucher können die Kirche immer montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und nachmittags von 14 bis 16 Uhr betreten. Am Wochenende ist die Kirchenruine geschlossen.

Von Marilena Berlan

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