SPD-Bundestagskandidatin Marina Kermer stellte sich im Gardelegener Ortsverband vor / Erst seit drei Wochen Mitglied

„Ich weiß, wo es klemmt und hakt“

Marina Kermer ist von Marko Mühlstein als Kandidatin der SPD für den Bundestag vorgeschlagen worden. Im Gardelegener SPD-Ortsverband stellte sie sich am Donnerstagabend vor. Fotos (2): Schmidt

Gardelegen. Man duzt sich. So, wie das bei Mitgliedern der SPD üblich ist. Also durfte „die Marina“ erklären, was sie alles machen würde, sollte die 52-Jährige in den Bundestag gewählt werden.

Vor wenigen Wochen hätte man die zweifache Mutter – ihre Kinder sind 34 und 24 Jahre alt – noch gesiezt. Denn die gebürtige Akenerin ist erst seit ganz kurzem Mitglied bei den Sozialdemokraten. Marko Mühlstein, der Kreisvorsitzende der SPD im Landkreis Stendal und ehemalige Bundestagsabgeordnete, hatte die Chefin der Agentur für Arbeit aus Stendal quasi im Alleingang als Kandidatin präsentiert („Ich habe mir dieses Recht herausgenommen“). Der Gardelegener SPD-Ortsverband stimmte am Donnerstagabend ebenfalls für Marina Kermer – bei einer Gegenstimme, der von Horst Hartmann.

„Ich war erstmal schon geschockt“, gab Marina Kermer im Handwerkersaal des Gardelegener Schützenhauses zu, als ihr Marko Mühlstein in einem Vier-Augen-Gespräch die Bundestags-Kandidatur angeboten habe. Er selbst habe „lange und reiflich überlegt“, selber anzutreten. Und tat es schließlich nicht. Mühlstein saß von 2005 bis 2009 als gewählter Direktkandidat im Bundestag, wurde dann aber nicht wiedergewählt.

Marina Kermer hat zwar beruflich Karriere gemacht, ist aber kommunalpolitisch ein bisher unbeschriebenes Blatt. Und auch, dass sie erst jüngst in die Partei eingetreten ist, war ein Thema im SPD-Ortsverein. „Ungewöhnlich“ nannte es Horst Hartmann, dass man eine Bundestagskandidatin habe, die erst vor drei Wochen eingetreten sei. „Da wird man doch mal nachfragen dürfen.“

Als Leiterin einer Bundesbehörde („Ich weiß, wo es klemmt und hakt“), so Marina Kermer, sei sie grundsätzlich zur Neutralität verpflichtet. Deshalb sei sie vorher nicht in die SPD eingetreten, „Aber mein Herz schlägt für die SPD.“ Schwerpunkte wolle sie bei den Themen „Alt werden in sozialer Sicherheit“, „ein Einkommen zum Auskommen“ und bei der Wirtschaft setzen. Denn „Tourismus ist gut, aber die Wirtschaft wird gebraucht.“

Auch Mandy Zepig, Gardelegens SPD-Ortsverbandsvorsitzende und Fraktionsvorsitzende der SPD im Gardelegener Stadtrat, wurde unlängst zu einer möglichen Bundestags-Kandidatur gefragt. „Aber für mich gibt es keinen Weg in diese Richtung“, erklärte sie am Donnerstagabend in Anwesenheit von Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs – der räumt in zweieinhalb Jahren seinen Stuhl im Rathaus...

Von Stefan Schmidt

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