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„Ich spiele nicht den Pflaumenaugust“

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Schmidt
Der Jävenitzer Bürgermeister Heinz Baldus: „Herrschaftszeiten, was geben wir hier im Rat für ein Bild ab…“

Jävenitz - Von Stefan Schmidt. „Das ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen.“ Heinz Baldus, der Jävenitzer Bürgermeister, versuchte am Dienstagabend während der jüngsten Ratssitzung seinen Räten eines klarzumachen: Es kommt die Zeit des Handelns. Nämlich dann, wenn die bisher eigenständige Gemeinde Jävenitz zum Jahresende zur Stadt Gardelegen zwangseingemeindet wird.

Sie weigern sich weiterhin. Die Ratsmitglieder aus Jävenitz und Bürgermeister Heinz Baldus sind nach wie vor strikt gegen eine Eingemeindung zur Stadt Gardelegen. Diesen Schritt übernimmt nun das Land, hat während der Landtagssitzung am 18. Juni über die Gebietsreform abgestimmt und somit die Zwangszuordnung von Jävenitz und allen anderen Gemeinden der Noch-VG Südliche Altmark beschlossen. Aus diesem Grund konfrontierte Baldus während der jüngsten Ratssitzung am Dienstagabend den Rat mit der Frage, ob man trotzdem einen Ortschaftsrat in Jävenitz bilden wolle.

Klar ist: Viele jetzige Gemeinderäte wollen nicht mehr als Ortschaftsräte tätig sein. „Die Zeit kann ich mir sparen“, erklärte Friedhelm Matthies. Und Baldus selbst hält ebenfalls nichts von einem solchen Ortschaftsrat ohne Entscheidungsgewalt, den als er „Tupperparty“ und „Kaffeetrinkerlehrgang“ abtut. „Das ist unter unserer Würde, das können die selber machen.“

Und trotzdem: Nur weil man selbst nicht mehr als Ortschaftsrat arbeiten wolle (Baldus: „Wir selber wollen diese Pappnasen nicht mimen“), könne man sich nicht so bockig anstellen, möglicherweise anderen Bewerbern einen Posten im Ortschaftsrat zu verweigern. Dies geschehe dann, wenn der jetzige Gemeinderat keine Ortschaftsverfassung beschließe und Jävenitz somit ab dem 1. Januar 2011, also nach dem Gang nach Gardelegen, automatisch ohne Gremium wäre. Und so warb Baldus um einen Ortschaftsrat – in dem aber möglicherweise kaum einer der jetzigen Gemeinderäte sitzen wird. Diese komplizierte Konstruktion sorgte für eine teils lähmende Diskussion im Gemeinderat. „Herrschaftszeiten“, so Baldus wütend, „was geben wir hier im Rat für ein Bild ab.“

Einen Beschluss pro Ortschaftsrat gab es nicht. Jeder möge nochmal in sich gehen, bat Baldus. Er selbst werde einem Ortschaftsrat auch nicht vorstehen. „Ich spiele hier nicht den Pflaumenaugust“, so Baldus energisch.

Ob es nach der Eingemeindung einen Jävenitzer Ortschaftsrat geben wird, soll demnächst entschieden werden. Fest steht aber: Viele der jetzigen Abgeordneten werden zurücktreten. Aber erst, so mahnte Baldus, nach Silvester, wenn sie – zumindest für kurze Zeit – als Ortschaftsräte tätig gewesen sind. „Es geht um die Formaljuristerei“, so der Bürgermeister. Gebe es nämlich einen Ortschaftsrat, der dann zurücktritt, müsse neu gewählt werden. Damit hätte man die Institution eines solchen Ortschaftsrates gerettet – in welcher Besetzung auch immer.

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